Seit einigen Jahren hat die Merinowolle die Funktionswäsche-Front aufgemischt. Unterwäsche, die schon nach einem Mal Tragen einen markanten Geruch absondert, war vielen nicht sonderlich sympathisch. Da kam die Wolle mit ihrem geruchsneutralen Charakter gerade recht. Selbst nach mehrfachem Durchschwitzen kann man sich mit einem Hemd aus Merinowolle immer noch unter Leute wagen. Der perfekte Begleiter für längere Touren.
Warum Merino Unterwäsche?
Merinowolle besitzt viele positive Eigenschaften, sodass du daraus zahlreiche Kleidungsstücke findest, die nicht nur wärmen und atmungsaktiv sind, sondern gleichzeitig auch geruchshemmend wirken. Daher eignet sich dieses nachhaltige Material ideal als Merino Unterwäsche.
Herkunft und Eigenschaften der Merinowolle
Dem Namen entsprechend stammt die Merinowolle vom Merinoschaf ab. Diese Schafrasse kommt ursprünglich aus Nordafrika. Im Mittelalter gelangten die ersten Tiere nach Spanien und waren insbesondere wegen ihrer feinen Wolle sehr begehrt. Heute ist Australien der Hauptlieferant von Merinowolle. Für die Wollgewinnung werden die Tiere bis auf die Haut geschoren und bringen im Jahr bis zu vier Kilogramm feinste Wolle. Die Fasern der Merinowolle sind hochfein und fühlen sich auf der Haut sehr angenehm an.
- Nachhaltiger Rohstoff: Es handelt sich um einen natürlichen und nachhaltigen Rohstoff, der nachwächst und letztlich ohne Rückstände abbaubar ist.
- Kompostierbarkeit: So wunderbar tragbar unter anderem Unterwäsche oder T-Shirts aus Merinowolle sind, lassen sich diese Kleidungsstücke innerhalb kürzester Zeit der Natur wieder zurückführen. Wenn du etwa ein T-Shirt aus Merinowolle einfach in den Boden eingräbst, kompostiert sich dieses bereits innerhalb von 90 Tagen.
Vorteile von Merino Unterwäsche beim Radfahren
Merino Sportbekleidung bzw. Funktionsunterwäsche findet in vielen Sportarten Verwendung. Insbesondere die Merino Baselayer sind hier sehr beliebt. Es spielt hierbei keine Rolle, ob du im Fitnessstudio diese Wäsche trägst oder beim Skiurlaub. Lange Unterhose und Langarm-Shirt eignen sich besonders in kälteren Jahreszeiten. Daher kannst du diese Merinounterwäsche hervorragend beim Wandern, Klettern, Bergsteigen und generell im Wintersport einsetzen. Auch beim Radfahren solltest du auf diese Wäsche nicht verzichten. Schweiß wird zuverlässig aufgenommen und nach außen abgetragen. Hier macht sich wieder die Thermoregulierung positiv bemerkbar. Natürlich kannst du auch auf Motorradtouren diese Unterwäsche tragen.
Die wichtigsten Vorteile im Überblick:
- Angenehmer Tragekomfort: Deswegen sorgt zum Beispiel Merinobekleidung für einen besonders angenehmen Tragekomfort.
- Geruchsneutralität: Ein großer Vorteil ist, dass die Bekleidung aus Merinowolle über mehrere Tage hinweg, auch bei starkem Schwitzen geruchsneutral bleibt.
- Natürliches Antibakterium: Maßgeblich ist hier das enthaltene Wollfett Lanolin, welches sich in den Fasern der Wolle befindet. Dieses schafft ein Mikroklima, in welchem sich Bakterien nicht wohlfühlen und sich dort auch nicht vermehren können. Grund hierfür ist, dass dieses Fett dafür sorgt, dass sich Bakterien und mögliche Infektionen nicht beim Schaf verbreiten können. Deswegen bildet die Wolle für ein natürliches Antibakterium.
- Kein Kratzen: Beachte, dass das menschliche Haar eine Stärke zwischen 50 und 100 Mikron aufweist. Merinowolle kommt hier auf unter 27 Mikron und liegt somit unterhalb der spürbaren Kratzgrenze. Die elastischen und leicht kräuselnden Fasern der Merinowolle sorgen für einen angenehmen Hautkontakt. Vorteilhaft ist, dass es hier nicht zu einem Kratz- und Juckeffekt, wie bei herkömmlicher Schurwolle, kommt.
- Thermoregulierung: Merinowolle besitzt thermoregulierende Eigenschaften. Diese passen sich den jeweiligen Gegebenheiten an und sorgen zudem für eine ausreichende Kühlung deines Körpers.
- Feuchtigkeitsmanagement: Auch wenn die Oberfläche der Wolle wasserabweisend ist, kann das Innere bis zu 35 % an Feuchtigkeit aufnehmen. Insofern ist Merinowolle sowohl feuchtigkeitsabweisend als auch feuchtigkeitsaufnehmend. Dies bedeutet, dass die körpereigene Feuchtigkeit zuverlässig aufgenommen und nach außen abgegeben wird.
- Schutz vor Kälte und Hitze: Dank der gekräuselten Fasern bleibt bis zu 85 % an warmer Luft darin enthalten. Die Luft wird hierbei vom Körper auf eine ausreichende Temperatur gebracht. Die Wärme verbleibt in den Luftkammern zwischen den Fasern und kann nicht nach außen verloren gehen. Andererseits kann Merinowolle aber auch kühlen. Da die Wolle Feuchtigkeit aufnehmen kann, wird an heißen Tagen die überschüssige Körperflüssigkeit aufgenommen und von der Haut entfernt. Hierbei entsteht eine natürliche Verdunstungskälte, da die warme Umgebungsluft zugleich die Wolle trocknet.
- Pflegeleicht: Merinowolle ist überaus pflegeleicht, da die einzelnen Fasern eine selbstreinigende Funktion besitzen. Schmutzpartikel werden gar nicht erst angezogen. Reinigen kannst du die Bekleidung aber problemlos bei 40 Grad Celsius in der Waschmaschine. Mit niedriger Temperatur kann auch der Trockner genutzt werden. Anstelle eines Weichspülers solltest du aber lediglich ein Wollwaschmittel verwenden.
- UV-Schutz: Zu den weiteren Besonderheiten gehört, dass Merinowolle einen natürlichen UV-Schutz enthält. Dieser erreicht eine Schutzwirkung bis über 40.
- Schwer entflammbar: Ebenfalls ist Merinowolle nur schwer entflammbar. Erst ab einer Temperatur von 560 Grad Celsius ist diese entzündbar.
- Antistatisch, knitterfrei und pilling-arm: Zuletzt muss angeführt werden, dass Merinowolle antistatisch wirkt und sowohl knitterfrei als auch pilling-arm ist. Die Fasern der Merinowolle können so gut wie gar nicht verfilzen.
Testberichte und Empfehlungen
Die Merino Unterwäsche wurde unter realen Bedingungen beim Skifahren getestet. Von Patagonia wurde die Capeline Air Serie getestet, wobei hier die Teile Capilene Air Bottoms (Lange Unterhose)* und Capilene Air Crew (Longsleeve Shirt)* näher betrachtet wurden. Bei Patagonia besteht die Unterwäsche zu 51 % aus Merinowolle und zu 49 % aus Polyester.
Getestete Produkte:
- Patagonia Capilene Air: Die Unterwäsche besteht zu 51 % aus Merinowolle und zu 49 % aus Polyester. Das verwendete Polyester wurde zu 68 % aus recycelten Kunststofffasern gewonnen.
- Falke Wool Tech: Diese Bekleidung besteht zu 55 % aus Merinowolle, zu 43 % aus Polyamid und zu 2 % aus Elastan.
Im Test machte sich bemerkbar, dass beide Sets sich wirklich hervorragend als Skiunterwäsche eignen. Dank des hohen Anteils an Merinowolle halten diese selbst bei minus 10 Grad Celsius warm. Ebenso konnte nach drei Tagen Skifahren kein unangenehmer Schweißgeruch festgestellt werden. Sowohl das Set von Patagonia als auch von Falke sind überaus bequem.
Testergebnisse:
- Wärme: Auch nach einem langen Skitag auf dem Gletscher hält die Skiunterwäsche absolut warm.
- Geruch: Ein Schwitzen oder Riechen sind nicht feststellbar gewesen. Daher lässt sich die Merinowäsche mehrere Tage tragen.
- Nachhaltigkeit: Im Ergebnis bietet Patagonia ein nachhaltigeres Produkt. Aber auch Falke muss sich nicht sonderlich verstecken.
Alternativen zur reinen Merinowolle
Momentan werden von vielen Herstellern Wollfasern mit Synthetik gemischt. Und zwar von beiden Fraktionen: den klassischen Woll-Herstellern und den eingefleischten Synthetik-Verarbeitern. So mischen viele Merino-Hersteller ihren Produkten aus Passform- und Stabilitätsgründen inzwischen oft fünf bis zehn Prozent Synthetik bei. Firmen wie Polartec, die jahrelang auf reine Kunstfaser gesetzt haben, bieten zur Saison 2015/16 die sogenannte Power Wool an, eine Mischung aus Merinowolle und Kunstfaser. Und auch Odlo, so etwas wie ein Synonym für Kunstfaserunterwäsche, setzt auf Mischgewebe.
Materialkombinationen und ihre Vorteile
Die Idee bei solchen Material-Kombinationen ist immer dieselbe: Man versucht die Vorteile beider Materialien zu kombinieren, die Nachteile gleichzeitig zu eliminieren. In unserem Fall ist die Kombination der Materialien sehr unterschiedlich gewählt.
- Sie werden wirklich gemischt, neben einer Wollfaser befindet sich wieder eine Synthetikfaser und dann kommt wieder eine Wollfaser usw.
- Man schafft ein zweiflächiges Gestrick, bei dem das eine Material innen und das andere außen ist.
Und hier haben wir in der vorliegenden Übersicht zwei grundsätzlich verschiedene Ansätze. Die oben schon erwähnte Polartec Power Wool setzt auf Wolle auf der Haut und Polyester (PE) außen. Die Wolle soll die Feuchtigkeit (den Schweiß) von der Haut abtransportieren und nach außen weiterleiten. Dort wird sie auf eine große Oberfläche verteilt und verdunstet.
Die Firma Löffler bietet schon seit Jahren sozusagen das Gegenteil an: Transtex Wool. Bei diesem Material ist die Konstruktion so gewählt, dass auf der Haut Polypropylen (PP) ist und außen die Wolle. Hier ist der Ansatz der, dass die Wolle von außen die Feuchtigkeit aus dem PP rauszieht, da PP quasi keine Feuchtigkeit aufnimmt.
Vergleich verschiedener Materialsysteme
Das Testfeld sah dann so aus, dass wir ein (fast) reines Merino-Hemd im Test hatten (Icebreaker), drei Shirts aus Mischgewebe (Ternua mit Polartec Power Wool, Löffler Transtex warm und Odlo mit dem Material Technical Wool light) und ein reines Synthetik-Hemd von Arc’teryx, das aus 87 Prozent Polyester und 13 Prozent Polypropylen gefertigt ist.
Der Testaufbau war denkbar einfach: 13 Tester, fünf Shirts, fünf Tage. Die Tester tragen beim großen ALPIN-Skitest an jedem Tag ein anderes Funktionswäsche-Teil. Am Abend wird bewertet. Besonders interessant war daher der Vergleich der Woll-Synthetik-Gemische untereinander.
Löffler konnte mit der Transtex Wool voll überzeugen. Die Tester waren nach einem Tag Skifahren regelrecht begeistert von dem Shirt. Es ist zwar kein modisches Highlight, aber dafür funktioniert es perfekt. Der Tragekomfort ist sehr gut, perfekt ist aber vor allem auch, wie das Material mit Schweiß "umgeht". Das System funktioniert auch bei schweißintensiven Betätigungen gut. Man hat auf der Haut schnell wieder ein trockenes Gefühl, "außen" hingegen ist das Shirt noch feucht.
Das Ternua Uigur aus Polartec Power Wool hat auch gut funktioniert. Allerdings im direkten Vergleich mit Transtex nicht ganz so gut. Die Wollschicht auf der Haut ist zwar gut fürs Tragegefühl, aber nicht ganz so gut beim Schwitzen. Schwitzt man mehr, hat man ein feuchtes Gefühl auf der Haut. Am wenigsten gefallen hat den Testern das Funktionshemd von Odlo. Das lag aber auch an der Passform, die leider nicht ganz so ausgereift (Faltenwurf) war.
Auch die Hemden aus "Plastik" können voll überzeugen. Besonders wenn man vermehrt schwitzt oder sich über einen längeren Zeitraum anstrengt (Skitour, Bergtour …), ist das Material sehr gut. Außerdem trocknet es schnell, weil es kaum Feuchtigkeit aufnimmt. Es ist weniger warm und daher besonders bei höheren Temperaturen angenehm zu tragen.
Empfehlungen für den Einsatz
Ein ganz typischer Einsatzzweck sieht wie folgt aus: Für die (Ski-)Tour als erste Lage für den Aufstieg ist ein Synthetik-Hemd (oder Transtex) wie geschaffen. Wer kaum schwitzt, kann alternativ auch Mischgewebe oder Merino tragen. Vor der Abfahrt (oder dem Abstieg) tauscht man sein durchgeschwitztes Synthetik-(oder Mischgewebe-) Shirt gegen ein kuscheligwarmes Merino-Teil.
Worauf man beim Kauf achten sollte
Wenn du Merinowolle kaufst, dann solltest du darauf achten, woher die Wolle stammt. Achte bestenfalls auf das Responsible Wool Standard Label. Dieses hat sich auf den Tierschutz fokussiert.
Weitere wichtige Aspekte:
- Passform: Am besten liegt Dein Funktionsshirt eher eng am Körper an, ohne die Bewegungsfreiheit einzuschränken. Nur so kann das Shirt seine volle Funktionalität ausspielen und entstehende Schweißfeuchtigkeit schnell aufnehmen und nach außen transportieren. Auch die Isolation funktioniert natürlich nur, wenn das Hemd nicht zu weit ist.
- Nähte: Deine Funktionsunterwäsche sollte mit Flachnähten verarbeitet sein, damit Du Dir Deine Haut nicht aufscheuerst.
- Materialmix: Ein sinnvoller Kompromiss ist der Mix aus Synthetik- und Naturfasern. Vor allem doppelflächige Maschenware mit synthetischen Fasern auf der Innenseite und Merinowolle auf der Außenseite gewährleistet schnelles Trocknen, ein gutes Gefühl auf der Haut und die gefragte Saugfähigkeit.
- Nachhaltigkeit: Um Deine Baselayer nach Aspekten der Nachhaltigkeit auszuwählen, lohnt es sich, auf entsprechende Nachweise und Zertifikate zu achten.
Alternativen zu Merinowolle
Immer häufiger ist von veganer Wolle die Rede. Es gibt zahlreiche Produkte aus pflanzlichen und synthetischen Fasern, die den positiven Eigenschaften der Merinowolle sehr nahekommen. Zu diesen Alternativmaterialien gehören etwa Bambus, Baumwolle, Hanf, Lyocell, Sojaseide, Viskose sowie einige recycelte Kunststoffe. Vorteilhaft ist, dass die Schafe hierfür nicht ihre Wolle lassen müssen.
Fazit
Merinowolle zeichnet sich durch einen hohen Tragekomfort und eine nachhaltige Verarbeitung aus. Aus dieser Wolle lassen sich Unterwäsche bzw. Sportunterwäsche in allen erdenklichen Arten herstellen. Das feine Wollmaterial ist atmungsaktiv, wärmt und kühlt zugleich und bietet insbesondere bei sportlicher Betätigung für einen optimalen Flüssigkeitsabtransport.
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