Wer leicht ist, hat viel Auswahl. Schwere Fahrer müssen genauer hinschauen und erfahren in unserem neuen Bremsentest, womit sie sich bedenkenlos dem Rausch der Tiefe hingeben können. Zehn Bremsen zwischen 110 und 515 Euro und mit Gewichten zwischen 280 und 500 Gramm haben wir zum Test geladen. Acht davon massive Vierkolben-Konstruktionen mit Gravity-Anspruch. Bahnbrechende Neuerungen sind nicht zu verkünden, aber Detailarbeit kann auch Unterschiede machen.
Nur Ausprobieren bringt Erkenntnis, also haben wir die Testbremsen auf unserer bewährt herzhaft zupackenden Testmaschine und unserer anspruchsvollen Teststrecke gemartert. Die markantesten Unterschiede fanden wir dabei einmal mehr in der Standfestigkeit der Stopper.
Die Testkandidaten im Überblick
Hier ist eine Übersicht der getesteten Bremsen, inklusive Gewicht und Preis:
- FORMULA Cura 4: 417 Gramm / 207 Euro¹ (Vierkolben-Bremse)
- HAYES Dominion A2: 440 Gramm / 297 Euro¹ (Zweikolben-Bremse)
- HOPE Evo Tech 3 E4: 399 Gramm / 280 Euro¹ (Vierkolben-Bremse)
- MAGURA MT7 Pro: 433 Gramm / 275 Euro¹ (Vierkolben-Bremse)
- SHIMANO Deore 6120: 463 Gramm / 120 Euro¹ (Vierkolben-Bremse)
- SHIMANO XTR 9120: 395 Gramm / 304 Euro¹ (Vierkolben-Bremse)
- SRAM Code RSC: 474 Gramm / 322 Euro¹ (Vierkolben-Bremse)
- TRICKSTUFF Piccola: 280 Gramm / 515 Euro¹ (Zweikolben-Bremse)
- TRICKSTUFF Piccola HD: 345 Gramm / 488 Euro¹ (Vierkolben-Bremse)
- TRP DH-R Evo: 500 Gramm / 274 Euro¹ (Vierkolben-Bremse)
¹ Preis- und Gewichtsangaben gelten für eine Bremse inkl.
So haben wir getestet
Was Bremsen wirklich können, zeigt sich vor allem in Extremsituationen. Wir haben die Grenzen der Stopper in der Praxis und im Labor ausgereizt.
In der Praxis
Wir sind auf die Bremsenteststrecke vom Schwestermagazin TOUR ausgewichen. 230 Tiefenmeter mit durchschnittlich 13,8 Prozent Gefälle, in der Spitze bis zu 25 Prozent steil, dienen dazu, Dosierbarkeit, Bremskraft und Standfestigkeit zu testen. Das Testprozedere: Erst schleifen lassen, dann kräftige Intervallbremsungen und schließlich eine Vollbremsung aus 60-65 km/h in steilem Gefälle. Gebremst wird nur mit der vorderen Bremse. Zwei Fahrer (75 und 100 kg) fahren jeweils eine Abfahrt. Überraschung: Auch wenn das Szenario keineswegs hart anmutet, war es für einige Bremsen bereits zu viel!
Im Labor
Im BIKE-Labor werden die Bremsen schrittweise an ihre Grenzen gebracht. Das Prüfprozedere umfasst 200 Bremsungen, vom Einbremsen, über die Ermittlung von Nass- und Trockenbremswerten bis zum abschließenden, dreistufigen Fading-Test. Die Belastungen orientieren sich an den Realdaten, ein Gebläse ersetzt auf dem Prüfstand den Fahrtwind. Die ermittelten Brems- und Handkräfte ergeben die Kennlinien in den Steckbriefen. Die Temperaturmessung hilft bei der Interpretation der Kraftmessungen. So können wir erkennen, unter welchen Bedingungen Fading einsetzt. In die abschließende Bewertung fließen Praxis- und Labordaten ein.
Die Qual der Wahl: Welcher Bremstyp ist der Richtige?
Vier Kolben, große Bremsscheiben, massive Bauweise: Das sind die stärksten Mountainbike-Bremsen der Welt! Doch welche Bremse zum Biken ist die beste für Trail, Tour und alpines Gebirge? Das zeigt dir unser großer Vergleichstest der acht besten Stopper von Shimano, Sram, Magura, TRP und Co.! Welche Mountainbike-Bremse ist aktuell die stärkste? Um dies zu prüfen, haben wir acht der zupackendsten Vierkolben-Bremsen auf dem Markt eingeladen. Bis auf zwei Ausnahmen stellen sie die jeweilige Speerspitze im Sortiment dar: Bei Shimano gäbe es mit der Saint ein "dickeres" Pendant zur von uns getesteten XTR Trail (wobei die Bremskraft unserer Erfahrung nach identisch ist), zudem würde die Trickstuff Direttissima von ihrer größeren Schwester Maxima vermutlich getoppt werden.
Letztere passte in unseren Augen dennoch besser in dieses Testfeld, zumal sie mit dem C42-Bremssattel erst kürzlich ein Update erhalten hat. Das gilt auch für die Formula Cura4, die sich erstmals mit verbessertem Hebel weltweit einem Test stellt. Auch die Sram Code Stealth ist mit radikal neuem Design der Gebereinheit sowie mit Carbon-Hebel (Modell Ultimate) nicht lange auf dem Markt. Letzteres gilt ebenso für die Hope Tech 4 V4: der CNC-Schönheit verpassten die Engländer 2022 viele Neuerungen.
Zu den genannten gesellen sich alte Bekannte aus dem Wurfanker-Regal wie die brachial wirkende Hayes Dominion A4, das "Leichtkraftwerk" Magura MT7 Pro, die extrem beliebte Shimano XTR M9120 sowie der Dampfhammer DH-R Evo von TRP.
So haben wir die MTB-Bremsen getestet!
Wir haben bei diesem Test auf Laborwerte verzichtet. Getreu dem Motto "Wer viel misst, misst viel Mist", wollten wir ausschließlich da testen, wo es wichtig ist: auf dem Trail! Dazu sind wir alle Bremsen an diversen Bikes über den Zeitraum von einem Jahr immer wieder gefahren. Mindestens drei Bremsen waren dabei immer zeitgleich im Einsatz, sodass sich die Stopper immer wieder miteinander vergleichen ließen. Mal waren wir dabei auf zarten Mittelgebirgs-Trails unterwegs, zumeist aber im harten Alpenterrain mit langen, fordernden Abfahrten.
Bewertet haben wir Bremskraft, Dosierbarkeit, Ergonomie und Standfestigkeit, dazu das Gewicht aus Geber- und Nehmereinheit, Leitung und Disc. Montage und Set-up wurden nicht benotet, werden aber in den Tests ausführlich beschrieben. Zudem haben wir viel mit Bremsbelägen experimentiert und geben unsere Empfehlung ab - ebenso Tipps zum Tuning. Ob diese Bremsanker dies wirklich nötig haben, sei dahingestellt - denn das Niveau, das alle acht zeigen konnten, ist extrem hoch. Anders gesagt: Mehr Bremse braucht kein Mensch!
Kurz-Fazit aus dem Test
Die Zeiten, wo man sich bezüglich der Bremse Gedanken oder gar Sorgen machen musste, sind zumindest im Highend-Segment vorbei! Jeden der acht Bremsanker in diesem Test kann ich besten Gewissens auch schwersten Ridern sowie für die anspruchsvollsten Trails empfehlen. Die großen Unterschiede liegen nicht in der Power, sondern in den Details sowie bei der Modulation.
E-MTB Bremsen im Fokus
Die Bremse ist ein sicherheitsrelevantes Bauteil. Zudem steigen bei E-Bikes die Systemgewichte durch bis zu 25 Kilogramm schwere Räder, die Fahrgewohnheiten ändern sich. Das macht eine gesonderte Betrachtung der E-MTB-Bremsen und der Bremssysteme nötig. Nimmt man ein durchschnittliches E-Bike Fully mit 22 bis 23 Kilogramm, einen Tourenrucksack inklusive Trinkblase mit etwa 4 Kilogramm sowie einen 90 Kilogramm schweren Fahrer, liegt das Systemgewicht bei knapp 117 Kilogramm. Deshalb setzen wir bei unserem Test 130 Kilogramm als Minimum an. TRP liegt genau an dieser Grenze, Magura gibt seine Bremsen bis 185 Kilogramm frei. BFO, Shimano und Trickstuff nennen nach oben keine Gewichtsbeschränkung.
Um den hohen Ansprüchen gerecht zu werden, empfehlen wir generell den Einsatz von großen 203mm Bremsscheiben am Vorder- und 180mm Discs am Hinterrad. Das Gute dabei: Die Bremse kann so mit nur einem Finger betätigt werden. Wer noch mehr Power braucht: Trickstuff bietet eine 223mm Bremsscheibe, Now8 sogar ein 254mm großes Modell an.
Wichtige Details für Montage und Anpassung
Bevor die Bremsen ans Rad geschraubt werden, sollten die Aufnahmen gecheckt werden. Meist sind diese durch Lackauftrag oder dem in der Produktion nicht durchgeführten Frässchritt nicht perfekt plan. Deshalb sollte, wenn nötig, die Bremsaufnahme beim Händler nachgearbeitet werden. Beim Bremssattel setzen alle Hersteller auf drehbare Leitungsabgänge und den Postmount-Standard.
Bei den Bremshebeln gibt es große Unterschiede: Während BFO, Magura und Sram dank Flip-Flop-Hebel rechts oder links montiert werden können, ist die jeweilige Seite bei Shimano, Trickstuff und TRP vorgegeben. Ist die Bremse ordentlich montiert, sollten alle Schrauben mit dem Drehmomentschlüssel angezogen werden.
Cockpitintegration und Ergonomie
Um Schalthebel von Shimano oder Sram direkt am Bremshebel zu befestigen, bieten viele Hersteller Adapter an. Damit verringert sich der Bauraum am Lenker und die Optik ist aufgeräumter. Perfekt gelingt das Sram mit dem Matchmaker-System. Bereich justierbar sein. Nur so kann man unterschiedlichen Handgrößen und Vorlieben gerecht werden. Perfekt gelingt dies bei der Sram Code. Der Bremshebel sollte zudem gut in der Hand liegen und keine störenden Kanten aufweisen.
Bremsmedium und Bremsbeläge
Mit Blick auf die ökologische Verträglichkeit setzt BFO mit Wasser Maßstäbe. In der Masse ist aber Mineralöl am stärksten vertreten und verdrängt DOT (im Test nur bei Sram) langsam aber sicher.
Im Test finden sich drei Arten von Belägen: Organische, Semimetall und Sintermetall. In den Punkten Geräuschentwicklung, Dosierbarkeit, Einbremszeit und Hitzeschirmung bieten organische Beläge meist Vorteile. Allerdings sollten sie beim Einbremsvorgang am Ende heiß gefahren werden, damit sie ausgasen. Beim Verschleiß und der Hitzebeständigkeit sind Sintermetallbe-läge oft besser. Auch wenn es die Her-steller oft nicht gerne sehen: Ein Wechsel auf Fremdbeläge kann die Bremsleistung positiv wie negativ beeinflussen.
Wartung und Gewicht
Mit Blick auf den Bremsenservice wird geprüft, ob der Entlüftungsvorgang einfach von der Hand geht, die Entlüftungsschrauben leicht erreichbar sind, der Hebel dazu verdreht oder abgebaut werden muss, ein durchgängiger Fluss im Bremssattel gewährleistet ist und welches Bremsmedium verwendet wird.
Zur direkten Vergleichbarkeit haben wir die Bremsanlage aus Hebel, Leitung und Bremssattel sowie die Brems-scheibe separat gewogen, um eine direkte Vergleichbarkeit zu bekommen. Adapter und Schrauben wurden dabei nicht be-rücksichtigt. Herausragend ist das gerin-ge Gewicht der BFO. Sie ist mit Abstand die leichteste Bremse und liegt 56 Gramm vor der leichtesten Vierkolbenbremse, die Magura stellt. Die leichteste Bremsschei-be fertigt Trickstuff.
Testergebnisse im Detail
Die direkte Vergleichbarkeit auf dem Prüfstand ist gut, aber was am Ende zählt, ist die Praxis, denn nur hier kann man das Potential aller Bremsen sprich-wörtlich erfahren. Der Einsatzbereich umfasste neben klassischen Feierabend- und Wochenendtouren auch Bikepark-einsätze. Getestet wurde auf den Trails im Donau- und Altmühltal sowie im bayerischen Wald. Anzumerken gilt, dass diese Werte eher subjektiver Natur sind und von Tester zu Tester leicht variierten. Alle Bremsen wurden mit 203mm Bremsscheibe am Vorderrad und 180mm Scheibe am Hinterrad getestet.
Das Gute vorweg: Keine Bremse im Test hatte einen Ausfall zu verbuchen. Das zeigt, dass alle Hersteller ihre Hausaufgaben gemacht haben. Im Detail unterscheiden sich die Bremsen dann aber recht stark, was sich im engen Notenausgang nicht zwingend widerspiegelt. Beim Preis-Leistungsverhältnis geht kein Weg an Maguras MT5 vorbei. Ganz ehrlich - mehr braucht man eigentlich nicht.
Testsieger
Der Testsieg geht diesmal an zwei Hersteller. Bei den Big-Playern holt sich Sram mit der neuen Code RSC durch eine exzellente Vorstellung verdient den Sieg. „Overall“ geht aber kein Weg an der extrem teuren und exklusiven Trickstuff Direttissima vorbei.
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