Die Funktion von Nierengurten beim Motorradfahren

Schon seit langer Zeit sind Nierengurte ein Renner und aus der Motorradbekleidung nicht wegzudenken. Branchenkenner schätzen, dass jährlich mehrere Hunderttausend Stück über die Ladentheke wandern. Doch welchen Sinn macht der Bestseller noch in Zeiten moderner Funktionsbekleidung?

Was ist ein Nierengurt?

Der Nierengurt ist ein wahrer Verkaufsschlager und neben Handschuhen und Motorradhelm vermutlich der meistverkaufte Motorradartikel auf dem Markt. Es handelt sich um einen 15 bis 30 cm breiten und elastischen Leibgurt, der von Motorradfahrern um die Taille getragen wird.

Es gibt verschiedene Modelle von Nierengurten (einfache Einsteiger-Nierengurte, gefütterte Modelle, mit Protektoren versehene) und dementsprechend auch verschiedene Materialien (PU-Schaum, wärmendes Neopren, elastische Synthetik-Materialien, Leder). Und es werden häufig Sommer- und Wintergurte unterschieden - für die Jahreszeiten.

Man sagt, dass der Nierengurt vor allem noch ein Überbleibsel aus der Zeit ist, in der zweiteilige Motorrad-Outfits (Jacken und Hosen) getragen wurden und der Lendenbereich besonders geschützt und gewärmt werden sollte. Heutzutage sieht man viele Motorradkombis, also Einteiler, bei denen sehr häufig eine entsprechende Funktion eingebaut ist und den separaten Nierengurt obsolet macht.

Wozu braucht man einen Nierengurt?

Der Nierengurt gehört zur Grundausstattung eines Motorradfahrers. Neben Helm, Handschuhen und geeigneten Stiefeln findet man ihn nahezu bei jedem Motorradfahrer. Er kann eine Blasenentzündung verhindern, beugt Verspannungen vor, schützt Organe im Falle eines Sturzes durch die Kompression und verbessert die Passgenauigkeit eines Rückenprotektors und sorgt dadurch für eine bessere und bequemere Körperhaltung des Motorradfahrers. Er wird um die Leibesmitte bzw. Taille getragen und dient also Schutz, Erwärmung und Stabilisation.

Welche Aufgaben hat der Nierengurt?

Dem Nierengurt werden insgesamt drei verschiedene Funktionen zugesprochen. Aber Vorsicht! Einige sind klar akzeptiert, einige sind umstritten.

  • Schutz vor Auskühlung
  • Schutz vor Vibrationen
  • Stabilisierung

Schutz vor Auskühlung

Motorradfahrer sind stärker vom Wetter abhängig als zum Beispiel Autofahrer. Sie müssen daher ihre Kleidung immer dem Wetter anpassen - im Sommer wie im Winter. Ein Nierengurt kann vor Unterkühlung schützen, die zum Beispiel aus ständigem Fahrtwind resultieren kann. Der Nierengurt schützt einen sehr empfindlichen Körperbereich. Auskühlen kann zu Muskelverspannungen führen und im schlimmsten Fall auch zu Organproblemen.

Medizinisch gesehen ist diese Funktion des Nierengurtes unumstritten. Allerdings muss man auch einräumen, dass die heutige Motorradkleidung und Schutzausrüstung separate Nierengurte gar nicht immer mehr nötig macht. Insbesondere die Motorradkombis (also Einteiler) bieten hier bereits guten Schutz. Der Nierengurt ist also dazu da, den unteren Rücken des Motorradfahrers warm zu halten.

Schutz vor Vibrationen

Im Gegensatz zum Auto spürt der Motorradfahrer das Bike und die Kraft des Motors sehr direkt und sehr deutlich. Bei mittleren und höheren Geschwindigkeiten gibt es eine Menge Vibrationen, die über Sattel und Gesäß direkt in die Körpermitte gelenkt werden. Daher ist oft die Meinung vertreten, dass deswegen die Nieren eine besondere Stabilisierung benötigen. Was ja auch den Namen des Nierengurtes erklären würden. Hier ist es aber so, dass Mediziner dafür keine Indikation sehen, da die Nieren im Körper ausreichend gut gelagert und geschätzt sind. Einen zusätzlichen „Stoßdämpfer“ braucht es daher also nicht.

In diesem Zusammenhang liest man auch immer wieder mal etwas über die so genannte „Wanderniere“. Die gibt es tatsächlich, ist aber eher ein Krankheitsbild, das mit dem Motorradfahren nichts zu tun hat und auch nicht durch Vibrationen herbeigeführt wird. Der Nierengurt kompensiert Vibrationen und schützt dadurch innere Organe.

Stabilisierung

Zu guter Letzt wird dem Nierengurt eine stabilisierende Wirkung nachgesagt. Durch den Nierengurt wird der untere Rumpfbereich kompakt gehalten und gestützt. Da der Unterkörper (Beine, Gesäß und Hüfte) durch die Sitzposition eng am Tank eine gute Stabilität bekommt, wird hier quasi der Rumpfbereich mit stabilisiert und nach oben verlängert.

Das Tragen des Nierengurts gibt also nicht nur ein „sicheres“ Gefühl, weil man kompakt gehalten und gestützt wird, sondern entlastet auch deutlich bei langen Fahrten. Es muss etwas weniger Kraft aufgewendet werden, um die Körpermitte zu halten und auch die Erschütterungen werden etwas kompensiert. Verspannungen können verhindert werden und der Fahrkomfort steigt dadurch sozusagen. Der Nierengurt stabilisiert den Fahrer und entlastet die Körpermitte.

Welche Arten von Nierengurten gibt es?

Man kann Nierengurte aus verschiedenen Perspektiven betrachten: nach ihrem Material, nach ihrer jahreszeitlichen Nutzung und nach dem Verschluss.

  1. Material: Es gibt Nierengurte aus Polyester und aus Neopren. Das sind die Hauptgruppen. Es mag auch Mischformen und Sonderfälle geben, aber grundsätzlich sind das die beiden Materialgruppen.
  2. Jahreszeit: Es macht einen großen Unterschied, ob du einen Nierengurt für Touren im warmen Sommer benötigst oder für Fahrten im Winter bzw. in kalten Monaten.
  3. Verschluss: Im Grunde haben sich nur zwei Verschlussarten durchgesetzt: der Klettverschluss und der Haken bzw. Schnallenverschluss.

Nierengurte für verschiedene Jahreszeiten

Nierengurte für Frühling und Sommer verfügen in der Regel über Belüftungssysteme und sind aus atmungsaktiven Materialien (Polyester, Polyamid) hergestellt. Oft sind auch Netzmaterialien eingearbeitet, die für eine bessere Durchlüftung sorgen. Diese Netze werden auch Mesh genannt.

Im Herbst und Winter hingegen eignet sich Neopren besonders gut, da Nierengurte aus diesem Material hervorragend wärmen. Außerdem ist Neopren, dass einige sicher in Form von Spezialanzügen vom Tauchen, Wellenreiten oder Kitesurfen kennen, wasser- und winddicht, aber eben auch besonders dehnbar. Der Nachteil ist leider, dass Neopren nicht besonders atmungsaktiv ist. Daher findet man oft eingenähte Materialien wie Vlies oder Gel-Wärmekissen.

Wintergurte sind mitunter auch mehrlagig. Sie bestehen dann beispielsweise außen aus einer wärmenden und schützenden Neoprenschicht und innen aus geschmeidigem Fleece oder Thermostoff. Übrigens, Neopren ist recht anfällig und verschließt recht schnell. Reine Neoprengurte müssen daher sehr sorgsam gehandhabt werden. Robuster sind da natürlich Nierengurte, die einen feinen Materialmix aufweisen.

Was kostet ein Nierengurt?

Nierengurte gibt es in den verschiedensten Ausführungen und bewegen sich preislich im Mittel zwischen 40 und 60 Euro. Aber es gibt auch preiswertere Modelle und durchaus hochpreisige Ausführungen.

Sind beiden Nierengurte andere Funktionen mit eingebaut - beispielsweise Protektoren wie sie beim Offroadfahren mitunter eingesetzt werden - dann werden sie schnell teurer. Einsteiger-Nierengurte aus Synthetik-Materialien starten bei rund 15 Euro, qualitativ hochwertigere Ledergurte hingegen bei 40 Euro.

Ausführung Preispanne
Einsteiger ab 15 Euro
Leder ab 40 Euro
Protektoren integriert ab 60 Euro

Welche Passform ist kaufentscheidend?

Die richtige Passform zu finden, ist eigentlich recht einfach. Grundsätzlich sind die meisten oder fast alle Nierengurte sehr flexibel in der Weitenverstellung und können gut und genau dem Körper angepasst werden.

Die Nierengurtgröße bezieht sich immer auf den Bauchumfang. Wenn du also deinen Bauchumfang misst oder eine Ahnung davon hast, ob du eher einen kleinen, mittleren oder großen Umfang hast, dann ist das schon der erste Hinweis auf die Nierengurtgröße.

Viele Nierengurte werden in den Größe S,M,L angeboten. Natürlich gibt es auch die komplette Bandbreite, beginnend bei XXS bis hinauf zu XXL. Viele Hersteller geben außerdem noch eine Zentimeterangabe hinzu. Wenn es Nierengurte mit Einheitsgröße sind, dann haben sie einen sehr langen, überlappenden Klettverschluss und können somit angepasst werden.

Tipp 1: Beachte, dass du den Nierengurt im Stehen etwas lockerer anziehen musst, da er beim Sitzen auf deinem Bike nochmal enger wird.

Tipp 2: Denke auch daran, dass du den Nierengurt unter der Motorradjacke und über der Unterbekleidung (z.B. T-Shirt) trägst. Der Sinn des Gurtes entfaltet sich erst, wenn er eng und so nah wie möglich am Körper getragen wird.

Wie trage ich den Nierengurt am besten?

Der Körpermitte-Gurt wird am besten unter der Motorradkleidung - Motorradjacke, Protektorenhemd, Protektorenweste oder Motorradkombi - getragen. Aber über der Unterbekleidung, also nicht auf der nackten Haut. Und ein separater Nierengurt ist auch nur nötig, wenn solch ein Gurt nicht bereits Teil eines der eben genannten Kleidungsstücke ist. Oft haben Motorradkombis oder Schutzkleidung integrierter Nierengurte.

Der Gurt wird also eng am Körper getragen, sodass er fest sitzt ohne einzuengen und unangenehm zu sein. Wenn du das Gefühl hast, dass der Gurt dich stützt und angenehm wärmt, dann sitzt er genau richtig. Wenn du den Nierengurt anlegst, dann lasse ihn gerne eine Spur lockerer, denn beim Setzen auf dein Mopped wird er eh noch etwas enger. Hier hilft einfaches ausprobieren!

Muss ich einen Nierengurt tragen?

Nein. Das ist nicht vorgeschrieben, wird aber aus den oben angeführten Gründen häufig empfohlen.

Wie reinige ich einen Nierengurt?

Nierengurte aus synthetischen Materialien können in der Waschmaschine gewaschen werden. Allerdings nur bei niedrigen Temperaturen (30 Grad) und dann auch nur im Schonwaschgang. Und auch nicht im Wäschetrockner trocknen, sondern auf der Leine!

Nierengurte aus Leder gehören natürlich nicht in die Waschmaschine. Das versteht sich von selbst. Sie werden mit einem feuchten Tuch gereinigt und nach Bedarf anschließend mit Lederpflege behandelt, damit sie schön geschmeidig bleiben und lange halten.

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