Der Reifen ist der einzige Kontaktpunkt des Radlers zur Straße und muss dementsprechend viel aushalten. Daher sollte er auch oft genug ausgetauscht werden. Seitdem Drahtreifen und Rennradfelgen quasi ausgestorben sind, ist es einfacher geworden, einen Reifen zu wechseln. Manchmal braucht man nicht einmal einen Reifenheber, um einen Reifen von der Felge zu bekommen, und beim Montieren bricht man sich nicht mehr die Finger.
Hier ist eine ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitung mit hilfreichen Tipps, damit der nächste Plattfuß nicht zur nervigen Angelegenheit wird.
Benötigtes Material
- Neuer Fahrradschlauch und Reifen
- Reifenheber-Set
- Fahrradluftpumpe
- Ggf. Gabel- bzw. Ringschlüssel
- Ggf. Montagefluid
Vorbereitung
Als Erstes solltet ihr den Schlauch vorbereiten. Packt ihn aus und pumpt ihn leicht auf. Schalte die Kette auf das kleinste Ritzel.
Laufrad ausbauen
Für Räder mit Felgenbremsen: Mach zunächst die Bremse auf - das geht mit einem kleinen Hebel direkt an der Bremse. Bei Scheibenbremsen darauf achten, die Bremse nicht zu betätigen, solange das Laufrad nicht eingebaut ist.
Halte das Laufrad dabei mit einer Hand fest. Drehe das Schaltwerk im Uhrzeigersinn nach hinten weg. Löse und entferne die Steckachse mit dem Innensechskant-Schlüssel oder - falls vorhanden - dem integrierten Steckachshebel.
Falls Du Schlauch oder Reifen beim Hinterrad wechseln möchtest, am besten die Kette vorne auf das größte Blatt und hinten auf das kleinste Ritzel schalten. Danach den Schnellspanner oder die Steckachse lösen und das Laufrad ausbauen.
Wichtig: Achtung, das Rad nie auf die Schaltung legen!
Demontage des Reifens
Schraube die Ventilkappe ab, öffne das Ventil und lass die Luft aus dem Reifen ab. Drücke die Reifenflanken beidseitig zusammen, bis der Reifen ringsum locker im Felgenbett sitzt. Setze den Reifenheber an einer Seite des Reifens an und heble ihn über die Felge. Mit einer Zugbewegung lässt sich der Reifen nun entlang der Felge lösen.
Jetzt ist das Laufrad ausgebaut und das Fahrrad unfallfrei abgelegt. Jetzt brauchen wir die Reifenheber. Mit einem Reifenheber hebelt man den Reifen über den Felgenflansch. Sitzt der Reifen sehr fest, hilft ein zweiter Heber. Mit dem zweiten Reifenheber gehst Du ebenfalls vorsichtig unter den Mantel und ziehst ihn einmal rund um das Laufrad, damit der Mantel auf einer Seite komplett aus der Felge kommt.
Nach einer Reifenpanne untersuche den Reifen vorsichtig per Hand auf Beschädigungen oder Fremdkörper wie Dornen oder Glassplitter. Untersuche nun auch die Innenseite der Felge. Zuletzt untersuchst du den Schlauch.
Entfernen des Schlauchs
Jetzt siehst Du den Schlauch im Inneren des Mantels. Zunächst prüfen, ob der Ventilring noch dran ist und gegebenenfalls entfernen - sonst kannst Du das Ventil nicht aus der Felge ziehen. Am Ventil beginnend können wir jetzt den Schlauch aus dem Mantel ziehen. Bei diesem Schritt kannst Du auch prüfen, ob Dein Felgenband in Ordnung ist.
Einen punktierten Schlauch kannst du mit Flickzeug reparieren oder durch einen neuen ersetzen.
Montage des neuen Reifens
Bevor Du den neuen Schlauch einziehst, gehe erst gewissenhaft innen am Reifen und am Felgenbett entlang, um auszuschließen, dass sich dort noch ein Steinchen oder eine Scherbe verbirgt, die dann den nächsten Schlauch direkt beschädigt.
Setze den Reifen mit einer Seite in das Felgenbett. Beachte dabei Angaben zur Laufrichtung. Tipp: Ästhetiker legen die Logos über das Ventilloch.
Jetzt brauchen wir den neuen Schlauch. Das Ventil aufdrehen und mit wenigen Hüben aufpumpen, damit der Schlauch einigermaßen stabil seine Form behält. Dann wird zunächst das Ventil eingeführt in das Ventilloch der Felge und dann rundum der Schlauch in den Reifen mit den Händen gewalkt.
Pumpe den Schlauch locker auf, um ihn in Form zu bringen. Führe das Ventil durch das Felgenloch und platziere den Schlauch ringsum zwischen Reifen und Felgenbett.
Wuchte die äußere Reifenseite nun - beginnend auf Ventilhöhe - über die Felge. Arbeite dich beidseitig nach oben vor und achte darauf, den Schlauch nicht einzuklemmen. Für das letzte Stück kann ein Reifenheber hilfreich sein. Auch hier ist manchmal etwas Geduld gefragt.
Wenn der Schlauch komplett im Mantel liegt, kann der Reifen wieder auf die Felge gehebelt werden. Das geht normalerweise recht einfach, nur bei den letzten Zentimetern musst Du wahrscheinlich mit den Reifenhebern nachhelfen - aber Vorsicht: klemm‘ dabei den Schlauch nicht ein!
Am besten noch einmal mit den Händen rund um den Reifen gehen und etwas kneten, um sicherzustellen, dass der Schlauch ordentlich drinliegt und nicht verdreht oder eingeklemmt ist.
Schraube die Ventilmutter wieder auf und pumpe den Reifen vollständig auf. Beachte hierbei die Luftdruckvorgaben auf der Reifenflanke.
Wir empfehlen einen Luftdruck von 6-7 bar am Vorderrad und ca. 7 bar am Hinterrad - je breiter der Reifen, desto geringere Drücke können gefahren werden, ohne Durchschläge zu riskieren. Wichtig: Jeder Reifen hat eine sogenannte Kennlinie. Sie sollte umlaufend mit gleichem Abstand zur Felge sichtbar sein. Falls das nicht der Fall ist, muss der Reifendruck erhöht werden, bis der Reifen richtig auf der Felge sitzt.
Kontrolliere abschließend den gleichmäßigen Reifensitz anhand der durchgezogenen Prägung.
Als Rennradfahrer weiß man, wenn die Luft raus ist. Und noch ein Tipp: Montieren Sie den Reifen so, dass das Logo des Herstellers beim Ventil ist.
Einbau des Laufrads
Ziehe das Schaltwerk wieder zurück, führe das Laufrad langsam von unten in den Hinterbau, und lege dabei die Kette auf das kleinste Ritzel.
Fädle nun das Laufrad so ein, dass die Bremsscheibe im Bremssattel und die Nabe zwischen den Ausfallenden platziert ist. Achte darauf, die Bremsscheibe hierbei nicht mit der Hand zu berühren.
Führe die Steckachse ausgehend von der Seite der Bremsscheibe wieder durch Radnabe und Ausfallenden. Ziehe sie dann locker an.
Mit einem Drehmomentschlüssel ziehst du sie nun auf das erforderliche Drehmoment fest. Dein Fahrrad ist nun wieder einsatzbereit. Abschließend solltest du noch prüfen, ob sich weiterhin alle Gänge durchschalten lassen und die Bremse nicht schleift.
Zusätzliche Tipps
- Hilfreich ist es immer die Montage gegenüber dem Ventil zu beginnen und am Ventil zu beenden, da sich der zu montierende Reifenwulst auf möglichst langer Strecke im Felgentiefbett befinden sollte.
- Statt den Reifen mit dem Daumen zu drücken, ist es oft leichter den Reifenwulst von gegenüber über das Felgenhorn zu „rollen“.
- Sehr hilfreich sind natürlich Reifenheber. Achte dabei darauf, dass der Reifenwulst keinen Schaden nimmt. Immer nur ein kleines Stück hebeln und den Reifenheber lieber öfter ansetzen. Auf keinen Fall Reifenheber aus Metall verwenden.
- Als besonders schwierig in der Montage erweist sich manchmal der Marathon Plus in den schmalen Versionen. Durch die Eigenspannung rutscht der Reifen immer wieder aus dem Tiefbett und dann ist es extrem schwer, das letzte Stück Reifen über das Felgenhorn zu ziehen. Sehr hilfreich ist hier eine dritte Hand, die den Reifen auf der gegenüberliegenden Seite im Tiefbett festhält. Auch ein Kabelbinder oder ein alter Pedalriemen können gute Dienste als "dritte Hand" leisten.
Fehlerbehebung
Wenn der Felgendurchmesser zu groß und/oder der Reifendurchmesser zu klein ist, gleitet der Reifenwulst nur schwer in die richtige Stellung auf der Felgenschulter. Abhilfe: Den Druck kurzfristig überhöhen und/oder den Reifenwulst mit Seifenlauge oder Montageflüssigkeit einreiben, um ihm das Gleiten zu erleichtern.
Wenn der Felgendurchmesser zu klein und der Reifendurchmesser zu groß ist, kommt der Reifen unabhängig vom Reifendruck nicht richtig zum Sitzen. Abhilfe schafft meistens ein Zentrieren des Reifens von Hand bei sehr geringem Druck.
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