Der Laufradmarkt ist in Bewegung. Junge Marken wie Aerycs, Leeze, Newmen und Winspace setzen die etablierten Hersteller unter Druck, insbesondere in Bezug auf das Preis-Leistungs-Verhältnis. Fulcrum, Mavic und Shimano kontern mit Prestige, einem verzweigten Händlernetz und teilweise nachhaltiger Produktion in Europa. Der Wettbewerb belebt das Geschäft, was gut für die Kunden ist. Ein ROADBIKE-Test soll bei der Entscheidung helfen. Sieben Carbon-Laufradsätze wurden getestet, die unter der magischen Grenze von 1500 Gramm pro Set bleiben und weniger als 1500 Euro kosten. Der Vergleich zeigt, dass die Unterschiede größer sind als erwartet.
Die Testkandidaten im Detail
Aerycs Aero WT 30
Die Aerycs Aero WT 30 bieten viel Fahrspaß zu einem fairen Preis. Die Carbon-Felge wurde überarbeitet und bietet nun satte 23 Millimeter Maulweite. Trotz der Breite wiegt die Hakenfelge nur 345 Gramm. Der Laufradsatz bringt es so auf gerade mal 1321 Gramm. Das spürt man bei jedem Antritt: Wieselflink geht es hier nach vorn, die Fahrdynamik begeistert. Die Kraftübertragung ist top, die Lenkung präzise - je 24 2-fach gekreuzten Messerspeichen von DT Swiss sei Dank. Bei hohem Tempo, in Abfahrten und bei Seitenwind kommt nie Unruhe auf. Der Aufbau des Sets war tadellos, die soliden DT Swiss 350-Naben laufen fast widerstandsfrei. In Kombination mit dem sehr ordentlichen Lieferumfang, drei Jahren Garantie und einem Crash-Replacement-Angebot bietet Aerycs wieder ein sehr attraktives Gesamtpaket.
- Breite innen/außen/Höhe: Nicht spezifiziert
- Vorteile: Top Preis/Leistung, handwerklich top, Fahrdynamik, Spurtreue, Lieferumfang, Servicebedingungen
- Nachteile: Keine
Christian Brunker, Redakteur, meint: "Viel Fahrspaß, fairer Preis - Aerycs zeigt hier eindrucksvoll, was klassischer Laufradbau leisten kann."
Fulcrum Wind 42
Die Fulcrum Wind 42 zeigten bei Testende weder technischen Verschleiß noch nennenswerte optische Beeinträchtigungen. Die Lager laufen leicht, die Räder rund. Damit empfehlen sich die Wind 42 auch als günstigere Alternative zu Fulcrums Wettkampflaufrädern Speed 42. Die Carbon-Hakenfelge kommt mit exakt den gleichen Dimensionen, verwendet aber etwas einfachere Naben, Lager und Speichen. Die sehr seitensteifen Laufräder gehen sportlich-agil nach vorn, lenken messerscharf ein und stehen auch im Wiegetritt und im Sprint wie eine Eins. Die höchste Felge in diesem Vergleich schneidet zudem pfeilschnell durch die Luft und zeigt sich selbst bei böigem Wind und hohem Tempo absolut fahrstabil. Die Laufräder fahren sich recht komfortabel, was durch breit bauende Reifen dank 23er-Maulweite verstärkt wird. Die Laufräder werden in der EU hergestellt.
- Breite innen/außen/Höhe: Nicht spezifiziert
- Vorteile: Kaum Verschleiß, top zentriert, schnell, fahrstabil, 100 % made in EU
- Nachteile: Garantie, sehr leiser Freilauf, Lieferumfang vergleichsweise gering
Wolfgang Krauter, Testfahrer, war begeistert: "Von den Fulcrums war ich wirklich begeistert. Mir gefällt auch, dass sie hier in Europa produziert werden!"
Leeze CC 38 Basic R
Die Leeze CC 38 Basic R überzeugen auf Anhieb. Dank des geringen Gewichts gehen die hervorragend aufgebauten Laufräder gut nach vorn, halten dank der aerodynamischen 38-Millimeter-Hakenfelge sehr gut hohes Tempo und bleiben dabei jederzeit fahrstabil. Was die Kraftübertragung und Lenkpräzision angeht, fühlte sich ein Testfahrer gar an Laufräder mit Carbon-Speichen erinnert. Die Felge wurde im Windkanal weiterentwickelt, bei den Naben setzt Leeze nun auf Straightpull-Einspeichung, und anstelle von Pillar- kommen neuerdings Sapim-Messerspeichen zum Einsatz. Die Leeze sind ein ROADBIKE Tipp Preis/Leistung!
- Breite innen/außen/Höhe: Nicht spezifiziert
- Vorteile: Fahreindruck, Aufbau, attraktiver Preis, Modellvielfalt, lebenslanges Crash Replacement
- Nachteile: Garantie, Lieferumfang vergleichsweise gering
Tobias Ihle, Testfahrer, würde die Leeze ernsthaft in Erwägung ziehen: "Leicht, schnell, fahrstabil - hätte ich nicht schon gute Laufräder, würde ich ernsthaft einen Kauf der Leeze erwägen."
Mavic Cosmic SL 32
Die überarbeiteten Mavic Cosmic SL 32 Disc offenbarten Licht und Schatten. In der Fahrpraxis gefällt vor allem der hohe Dämpfungskomfort. Dieser wird noch verstärkt durch die Tatsache, dass die Maulweite gegenüber früheren Ausführungen der Laufräder auf nun 21 Millimeter angewachsen ist. Auf wenig Gegenliebe stieß hingegen die als träge, fast schwammig empfundene Beschleunigung. Das Set wiegt über 50 Gramm mehr, als der Hersteller verspricht. Auch der Aufbau war nicht hundertprozentig zufriedenstellend: Das Hinterrad stand leicht außermittig. Keine Blöße gibt sich Mavic in puncto Service: Der Lieferumfang ist gut, bei Registrierung seiner Laufräder gilt eine lebenslange Garantie, und auch Crash Replacement wird angeboten.
- Breite innen/außen/Höhe: Nicht spezifiziert
- Vorteile: Fahrstabil und sehr komfortabel, lebenslange Garantie, Lieferumfang, 100 % made in EU
- Nachteile: HR außermittig, Beschleunigung, 52 g schwerer als Herstellerangabe
Moritz Pfeiffer, Redakteur, findet: "Der Komfort und die Laufruhe sind top. Für eine dauerhafte Liaison würde ich mir aber mehr Temperament wünschen."
Newmen Streem Climbing
Die neuen Streem Climbing-Laufräder von Newmen wiegen als Set unter 1200 Gramm! Und das, obwohl die Felgen 35 bzw. 38 Millimeter hoch und innen immerhin 22 Millimeter weit sind. Leicht wie eine Feder katapultiert man sich im Wiegetritt nach vorn, bergauf scheint man zu fliegen. Die Lager laufen extrem leichtgängig, Höhen- und Seitenschläge sind keine zu verzeichnen, optisch wirken Felgen und Naben wie neu. Ein Alleinstellungsmerkmal ist das Tubelesssystem mit sehr breitem Felgenloch, in dem das Ventil auf Wunsch vollständig versenkt werden kann. Der Lieferumfang ist großzügig, drei Jahre Garantie und das lebenslange Crash Replacement ebenso. Die Newmen sind ein verdienter ROADBIKE Tipp Gewicht.
- Breite innen/außen/Höhe: Nicht spezifiziert
- Vorteile: Sehr leicht, toller Praxiseindruck, kaum Verschleiß, Lieferumfang, Garantie & Crash Replacement, sehr leiser Freilauf
- Nachteile: Hinterrad bei Testende außermittig
Jakob Heni, Testfahrer, hatte viel Spaß: "Explosiv im Antritt, leichtfüßig bergauf, absolut spurtreu bergab: Die Newmen-Laufräder haben richtig Spaß gemacht!"
Shimano Ultegra WH-RS8170 C36
Der Shimano-Laufradsatz auf Ultegra-Niveau überzeugt in der Praxis mit guter Kraftübertragung, stoischer Ruhe bei Seitenwind und angenehmem Dämpfungskomfort. Im Labor punktet er mit soliden Messwerten, im Dauertest mit Verlässlichkeit und Haltbarkeit: Nach gut 1500 Testkilometern steht der Laufradsatz wie eine Eins ohne Seiten- und Höhenschläge. Tubeless-Reifen verschiedener Marken ließen sich leicht auf der Felge mit 21er-Maulweite montieren, rasteten schnell ein und hielten sehr gut die Luft.
- Breite innen/außen/Höhe: Nicht spezifiziert
- Vorteile: Solider Dauerläufer, einfaches Tubeless_Set-up, kein Gewichtslimit
- Nachteile: Technisch-nüchtern, leiser Freilauf, kein Crash Replacement
Eric Gutglück, Redakteur, findet Gefallen am Understatement: "Ein grundsolider Mix aus Aero und Gewicht, ideal für wellige Strecken. Dazu gepflegtes Understatement - mir gefällt’s!"
Winspace Lún Grapid
Die chinesische Marke Winspace produziert seit 2008 Rahmen, Laufräder und weitere Fahrradprodukte aus Kohlefaser und drängt mit aggressiven Preisen zunehmend auch in Europa auf den Markt. Mit 1355 Gramm Set-Gewicht spielt er ganz vorne mit und gefällt mit sportlich-agilem Handling. Auf böigen Seitenwind reagieren die 38 Millimeter hohen Felgen allerdings recht sensibel. Die knapp 1000 Testkilometer hinterließen keine nennenswerten Spuren: Die Naben mit überdimensionierten Edelstahllagern laufen leicht, die Räder drehen sich mittig und ohne Höhen- oder Seitenschlag. Wer das akzeptiert, macht hier ein Schnäppchen.
- Breite innen/außen/Höhe: Nicht spezifiziert
- Vorteile: Preis/Leistung, leicht und flink, Lenkertasche im Lieferumfang, kaum Verschleiß
- Nachteile: Nervös bei Böen, kein Crash Replacement
Weitere getestete Laufräder
Neben den oben genannten Modellen wurden auch folgende Laufräder getestet:
- Hunt Sub 50 Limitless UD Carbon Spoke
- Fulcrum Sharq
- Black Inc 28/33
- Scope Cycling Artech 4
- DT Swiss ARC 1100 Dicut 38
- Newmen Streem Allround Vonoa
Tabelle: Übersicht der getesteten Laufräder
| Laufradsatz | Gewicht (Set) | Maulweite | Felgenhöhe | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|
| Aerycs Aero WT 30 | 1321 g | 23 mm | 30 mm | Sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis |
| Fulcrum Wind 42 | Nicht spezifiziert | 23 mm | 42 mm | Hergestellt in der EU |
| Leeze CC 38 Basic R | Nicht spezifiziert | 21 mm | 38 mm | Sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis |
| Mavic Cosmic SL 32 | Nicht spezifiziert | 21 mm | 32 mm | Hoher Dämpfungskomfort |
| Newmen Streem Climbing | Unter 1200 g | 22 mm | 35/38 mm | Sehr leicht |
| Shimano Ultegra WH-RS8170 C36 | Nicht spezifiziert | 21 mm | 36 mm | Solider Dauerläufer |
| Winspace Lún Grapid | 1355 g | 25 mm | 38 mm | Aggressiver Preis |
| Hunt Sub 50 Limitless UD Carbon Spoke | 1356 g | 23 mm | 50 mm | Carbon-Speichen |
| Fulcrum Sharq | 1462 g | 25 mm | Variierend | Auffällige Optik |
| Black Inc 28/33 | Nicht spezifiziert | Nicht spezifiziert | 28/33 mm | Carbon-Speichen |
| Scope Cycling Artech 4 | 1124 g | 23 mm | 45 mm | Carbon-Speichen, 3D-gedruckte Naben |
| DT Swiss ARC 1100 Dicut 38 | 1324 g | 20 mm | 38 mm | Aero-Laufrad |
| Newmen Streem Allround Vonoa | 1305 g | 24 mm | Variierend | Carbon-Speichen |
Fazit
Die Wahl des richtigen Laufradsatzes hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter Budget, Fahrstil und bevorzugtes Gelände. Der ROADBIKE-Test bietet eine gute Grundlage für die Entscheidung.
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