Unbeschwert mit dem E-Bike unterwegs sein macht enorm viel Spaß. Wären da nicht ab und zu die Gedanken an den Akku. Wie weit komme mit der aktuellen Ladung noch? Wo kann ich ihn am besten aufladen? Auf diese Fragen gibt es heutzutage ganz verschiedene Antworten. Meist spielt es eine Rolle, wo ihr euch gerade befindet, welchen Anlass eure aktuelle Fahrt hat und wie weit euer Ziel entfernt ist.
Ladeoptionen für E-Bikes unterwegs
1. Ladestationen
Sowohl in touristischen Regionen als auch im urbanen Raum an zentralen Orten wie Bahnhöfen, Busbahnhöfen, Einkaufscentern oder so manchen öffentlichen Einrichtungen finden sich solche Ladestationen. In Gegenden, in den viele Menschen ihren Urlaub verbringen, sind Restaurants, Hotels oder Museen die jeweiligen Anlaufstellen. Errichtet haben die Ladesäulen unterschiedlichste Anbieter. Habt daher zur Sicherheit das Ladekabel für euer E-Bike lieber griffbereit. Mithilfe gängiger Internetdienste wie Google Maps könnte ihr euch Ladestationen auf dem Smartphone anzeigen lassen.
2. Tankstellen
Je nach Gegend findet ihr eher eine Tankstelle als per App eine Ladestation zum Laden des Akkus. Wer dort höflich nach einer Erlaubnis zum Aufladen fragt, wird wohl nur selten abgelehnt. Und wenn ihr bei der Gelegenheit noch etwas zu trinken oder essen bestellt, gibt’s den Strom am Ende vielleicht sogar gratis.
3. Ladegeräte
Trotz Ladestationen kommt die Sprache beim Laden des E-Bikes unterwegs schnell auf das Ladegerät. Sein Mitführen versetzt euch schnell in die Lage, flexibel auf verschiedene Gegebenheiten reagieren zu können. Heute gestaltet sich die Situation deutlich übersichtlicher. Für viele E-Bike-Systeme von Bosch, Shimano, Mahle, Fazua, TQ, Brose, Pinion und Co. werden nur noch ein, höchstens zwei Ladegeräte angeboten. Häufig beträgt deren Ladestrom zwischen zwei Ampere und vier Ampere.
Zurecht trägt es die Bezeichnung Schnellladegerät. Dieser Typ Ladegerät ist keineswegs neu. Ganz unterschiedliche elektrisch betriebene Gegenstände vom Smartphone bis zum E-Auto kennen irgendeine Form von Schnellladetechnologie. Amflow nutzt zum Beispiel einen GaN-Schnellladeanschluss. Hinter GaN verbirgt sich das kristalline Halbleitermaterial Galliumnitrid. Es taucht immer häufiger in Stromversorgungen und Ladegeräten auf und ersetzt dort als Alternative Silizium. Galliumnitrid leitet Strom sehr gut und hält auch hohen Temperaturen stand, was die Lebensdauer des jeweiligen Gerätes erhöht. In der Praxis bedeutet das: Ein Ladegerät von Amflow ist nur unwesentlich größer und rund 250 Gramm schwerer als ein Bosch 4A Ladegerät für das Smart System.
4. Zweitakku
Noch schneller seid ihr jedoch, wenn ihr unterwegs einfach den ursprünglichen Akku gegen einen Zweitakku tauscht. Nachteil dieser Lösung ist verständlicherweise ein größeres Gewicht während der Fahrt. Schließlich wiegt ein Akku mehr als ein Ladegerät. Allerdings sagt auch niemand, dass ihr den identischen Akku einsetzen müsst, den ihr am E-Bike entnehmt. So hält etwa Bosch für einen Teil seiner Intube-Akkus einen Adapter parat.
5. Bosch DualBattery
Wollt ihr zwei Akkus nutzen, liegt es nahe, sie von Anfang an im beziehungsweise am Rahmen zu montieren. Alle, die ein E-Bike mit Bosch-Antrieb fahren, können dafür theoretisch auf die Option Bosch DualBattery zurückgreifen. Bosch Dualbattery ermöglicht den gleichzeitigen Einsatz zweier Akkus und damit das Verdoppeln der Reichweite oder sogar noch größere Steigerungen. Oftmals werden ein Intube-Akku mit einem Rahmenakku oder einem Gepäckträgerakku kombiniert. Wer DualBattery einmal verwendet hat, wird in vielen Fällen nicht mehr zur Variante mit einem einzigen Akku zurückkehren wollen.
6. Range Extender
So gut wie jeder Hersteller eines E-Antriebs, der etwas auf sich hält, führt inzwischen einen Range Extender m Programm. Im Grunde handelt es sich um eine abgewandelte Form der DualBattery-Variante. Allerdings verfügt der zweite Akku absichtlich über eine geringere Kapazität. So lässt sich zwar weniger zusätzliche Reichweite generieren. Dafür schrumpft der Akku auf das Maß ähnlich einer herkömmlichen Trinkflasche und lässt sich so mit geringem Aufwand im E-Bike-System und am Rahmen hinzufügen.
7. Höhere Akkukapazitäten und moderne Akkuzellen
Angesichts von kontinuierlich gestiegenen Akkukapazitäten, ausgefeilterer Batterie-Management-Systeme und modernerer Akkuzellen hat das Laden des E-Bikes unterwegs zum Glück ein wenig an Brisanz verloren. Erst recht, wenn wir einen Blick auf das S-Pedelec werfen. Akkus der Schweizer Hersteller Opium und Stromer erreichen Kapazitäten von mehr als 1.500 Wattstunden. Zudem kommen Akkuzellen anderen Typs zum Einsatz.
8. CHAdeMO und Charge2Bike
Trotz ausdauernderer Akkulösungen und dem gleichzeitigen Nutzen zwei Akkus wird das Laden des E-Bikes unterwegs künftig weiterhin ein Thema bleiben. Aktuell nutzt beinahe jeder Systemhersteller einen eigenen Ladeanschluss. Das stößt nicht nur bei vielen E-Bike-Fahrenden auf Unverständnis, sondern erschwert gleichzeitig das Etablieren einheitlicher und damit einfach zugänglicher Ladeinfrastruktur. Initiativen wie die des Konsortiums CHAdeMO wollen hier Abhilfe schaffen. CHAdeMOs Ansatz für das Laden von E-Bikes heißt Charge2Bike. Diese als herstellerübergreifender Industriestandard konzipierte Ladelösungen wird von internationalen Fahrrad- und E-Bike Herstellern und dem Zweirad-Industrieverband (ZIV) aus Deutschland unterstützt.
9. Rekuperation
Vollkommen überflüssig wäre das Laden des E-Bikes unterwegs, wenn sich der Akku während der Fahrt wie von selbst aufladen könnte. Einige E-Bike-Antriebe, etwa von Cixi oder Opium, ermöglichen genau dies. Das entsprechende Prinzip heißt Rekuperation. Sie sorgt dafür, dass ein sich bewegendes E-Bike einen Teil der dabei entstehenden Energie zurückgewinnt. Dieser fließt dann zurück in den Akku. Je nach System geschieht dies beim Pedalieren, beim Bremsen oder beim Fahren im Leerlauf zum Beispiel während einer Abfahrt.
Ampler Nova und Nova Pro: USB-C-Ladeanschluss als Novum
Mit Begriffen wie „bahnbrechend“ oder dem neu-deutschen „Gamechanger“ sollte man sparsam umgehen. Sonst werden sie beliebig und nutzen sich zu schnell ab. Eine Bezeichnung aus dieser Kategorie hat sich jetzt aber der estnischen Hersteller Ampler für seine neuen E-Bikes Nova und Nova Pro verdient. Vielleicht nicht unbedingt für die E-Bikes in ihrer Gänze. Ohne den eigentlichen E-Bikes zu nahe zu treten, in die Annalen der E-Bike-Geschichte werden sie wohl in erster Linie aufgrund ihre naheliegenden und dennoch bislang von keinem anderen Hersteller umgesetzten Möglichkeit zum Laden des Akkus per USB-C-Anschluss eingehen.
Zumindest sind wir in unserer Recherche auf kein weiteres E-Bike gestoßen, das euch diese Option eröffnet. Anscheinend deckt sich das mit der Suche, die Ampler selbst im Vorfeld betrieben hat. Positioniert ist dieser genau dort, wo auch bisher die Ladebuchse an Ampler-E-Bikes zu finden war - nämlich am unteren Ende des Sitzrohrs auf der Nicht-Antriebsseite. Die Stelle ist mit üblichen USB-C-Kabeln gut erreichbar.
Neben einem solchen Kabel braucht ihr dann tatsächlich nur noch ein passendes Ladegerät, mit dem ihr eventuell andere mobile Gerät wie euer Smartphone oder euer Notebook aufladet. Ampler nennt 30 Watt als erforderliches Minimum sowie 140 Watt als Optimum. Mit Letzterem dauert das komplette Laden des 336 Wattstunden großen Akkus rund 3,5 Stunden. Ist das Ladegerät schwächer, verlängert sich die Ladezeit entsprechend. Da es zwischen Minium und Optimum unzählige Varianten gibt, hängt es vom jeweiligen Modell ab, was sich in eurem Fall ergibt.
Vorteile des USB-C-Ladeanschlusses
Im Vergleich zum Laden mithilfe herkömmlicher Geräte kann also die Ladedauer beim Ampler Nova und Ampler Nova Pro spürbar ansteigen. Dafür punktet die Lösung des Herstellers an anderer Stelle. Erstens benötigt jedes E-Bike mit einer solchen Ladebuchse zwei Komponenten weniger - Ladegerät und Ladekabel. Durch den Wechsel auf den USB-C-Standard können viele Haushalte auf bereits vorhandene Dinge zurückgreifen.
Nach Recherche von Ampler wird weltweit jährlich eine Masse von 11.000 Tonnen an Ladegeräten produziert, die niemand nutzt und dann als Elektroschrott enden. Zweitens wiegt ein herkömmliches Ladegerät für mobile Geräte viel weniger als ein Ladegerät für Systeme von Bosch, Shimano, Brose und Co. Ein 140 Watt USB-C Power Adapter von Apple bringt es gerade einmal auf 360 Gramm. Dafür lassen sich damit iPhone, iPad und Macbook laden. Außerdem ist es viel kleiner und somit schnell im Reisegepäck verstaut.
Mit seiner vielfachen Verwendung hatten wir den dritten Vorteil bereits genannt. Und hatten wir schon erwähnt, dass der USB-C-Anschluss aus dem E-Bike auch eine Powerbank macht? Richtig gehört. Der Strom fließt auch in entgegengesetzter Richtung, sodass ihr mit der Energie des Akkus auch eigene mobile Geräte laden könnt.
Kompromisse beim USB-C-Ladeanschluss
Zur Wahrheit gehört natürlich auch, dass der Anschluss ein paar Kompromisse erfordern kann. Vor allem einfache Ladegeräte für Smartphone entfallen als Kandidaten für das Aufladen des E-Bike-Systems von Nova und Nova Pro. Ihre Ladeleistung von maximal 20 Watt reicht schlichtweg nicht aus. Die Geräte, die etwas mehr als 30 Watt leisten, erfüllen die Mindestanforderungen. Allerdings verlängert sich mit ihnen die Ladezeit beträchtlich. Das ist kein Problem, wenn man das E-Bike nicht täglich nutzt oder stets genügend Zeit zum Aufladen im eigenen Tagesablauf einräumen kann.
Will heißen, wenn euer Alltag zu diesem Konzept passt, kann sich das wunderbar ergänzen - wird es aber nicht in jedem einzelnen Fall. Grundsätzlich finden wir den Ansatz, endlich einen Versuch mit dem USB-C-Ladeanschluss zu starten, aber grandios.
Neuausrichtung des Ampler-Sortiments
Für Ampler stellen Nova und Nova Pro aber unter mehrfacher Hinsicht eine Trendwende dar. Den Ladeport haben wir ausführlich erwähnt. Zudem läuten die Modelle eine Neuausrichtung des eigenen Sortiments dar. Oder eher ein Zurechtruckeln. Die Präsentation der Neulinge besiegelt den Abschied von den Modellen Axel, Juna, Stellar und Stout. Deren jeweilige Stärken verschmelzen im Nova und Nova Pro. In dessen Portfolio haben Axel, Juna, Stellar und Stout bislang die Bereiche Urban und Touring abgebildet. Für diese Zwecke kommen nun die Neuheiten ins Spiel.
Dem Nova kommt dabei die Rolle eines soliden Einsteiger-E-Bikes für das urbane Umfeld zu, während im Nova Pro stärker das Reiserad durchscheint. Beide basieren auf dem bereits bekannten E-Bike-System mit dem Hinterradnabenmotor und fest im Unterrohr integrierten Akku. Im Vergleich zu den 2024 vorgestellten Curt und Curt Anyroad hat sich trotz identischer Leistungsdaten etwas getan. Ampler hat die Software des Antriebs spürbar verändert. Sein vorher schon kaum wahrnehmbares Motorengeräusch tritt noch mehr zurück. Gleichzeitig spricht das System lebendiger und direkter auf euren Input über die Tretbewegung sowie Schaltvorgänge an. Bei einem Drehmoment von 45 Newtonmetern passiert das Ganze ausgesprochen natürlich.
Während unserer Testfahrten auf der Cyclingworld Europe in Düsseldorf hinterließen Nova und Nova Pro einen durchweg angenehmen Eindruck. Mit ihren 50 Millimeter breiten Reifen bieten sie nachweislich mehr Fahrkomfort als etwa das Ampler Curt Anyroad, das auf eine Breite von 40 Millimeter setzt.
Ampler Nova: Fokus auf die Stadt
Das Nova ist stärker auf das Fahren in der Stadt ausgerichtet. Ampler geht davon aus, das ihr mit ihm eher kürzere Strecken zurücklegt und dabei eine etwas aufrechtere Position auf dem E-Bike bevorzugt. Seine Kettenschaltung von Microshift mit neun Gängen arbeitet präzise und mindestens so knackig wie namhaftere Konkurrenten. Ihr Spektrum sollte für Gegenden mit der einen oder anderen Erhebung absolut ausreichen. Dank der etwas kleineren 27,5 Zoll großen Laufräder meistert ihr dafür auch Situationen, in den mal weniger Platz bleibt und eine gewisse Wendigkeit mit dem Fahrrad gefragt ist.
Im Einstiegspreis von 2.990 Euro ist leider kein Gepäckträger enthalten. Immerhin könnt ihr diesen jedoch gegen einen Aufpreis bei der Bestellung hinzuordern. Entscheiden müsst ihr euch an der Stelle auch noch für eine der fünf verfügbaren Farben Rock Green, Glacier, Latte White, Pistachio und Soft Plum.
Ampler Nova Pro: E-Bike für Radabenteuer
Etwas edler, weil durchweg matt lackiert, kommt das Ampler Nova Pro daher. Dafür ist die Farbwahl auf die vier Töne Matte Black, Champagne, Graphite und Ruby Red beschränkt. Für das Fahrerlebnis entscheidender sind jedoch andere Merkmale. Dazu zählen die teurere, aber auch leistungsstärkere Scheibenbremse aus Shimanos Deore-Linie oder die dazu passende Shimano Deore-Kettenschaltung mit zehn Gängen. Wer in dem Nova Pro mehr das E-Bike für Radabenteuer sieht, wird vermutlich dennoch zur Kettenschaltung tendieren.
Zu dieser Ausrichtung passen die Panaracer-Reifen mit ihrem deutlich ausgeprägten Trekking-Profil und der schicken Tan-Wall ausgesprochen gut dazu. Begebt ihr euch auf Wege abseits der Straße, spielen zudem die 28 Zoll großen Laufräder ihr größere Laufruhe aus. Seid vor allem aber darauf gespannt, was der Lenker leistet. In dem befinden sich nämlich spezielle Strukturen, die spürbar kleinere Vibrationen eliminieren.
Vom Nova und Nova Pro bringt Ampler zum Auslieferungsstart im Juni 2025 beide Ausführungen mit jeweils zwei Rahmenformen auf den Markt. Beim Hersteller heißen diese High Step und Low Step, was sich mit Diamantrahmen und Tiefeinsteigerrahmen übersetzen lässt. Den Diamantrahmen wird es in den Größen M und L geben. Den Tiefeinsteigerrahmen, der unserer Meinung nach eher einem Trapezrahmen gleicht, in den Größen S und M.
Schnellladegeräte im Test: Bosch im Vergleich
Das Ladegerät kann auf E-Bike-Tour eine sinnvolle Alternative zum Ersatz-Akku sein. Doch die Modelle unterscheiden sich nach Ladegeschwindigkeit und Gewicht. Die Ampere-Zahl bestimmt, wie schnell das Ladegerät den Akku lädt. Vereinfacht gesagt: Ein Ladegerät mit zwei Ampere müsste eigentlich halb so schnell laden wie eines mit vier Ampere. Da Bosch drei Ladegeräte von zwei bis sechs Ampere im Sortiment hat, bot sich ein exemplarischer Test an (auch von Shimano gibt es unterschiedlich schnelle Lader).
90 Minuten lang ließen wir die Ladegeräte die Akkus aufladen - und die Unterschiede sind mehr als markant. Genau hinzuschauen, lohnt sich also, denn Ladegeräte landen immer öfter als Alternative zum Zweit-Akku im Rucksack - mit 625 Wattstunden und mehr sind die Batterien mittlerweile einfach zu schwer.
Schnellere Ladegeräte haben auch Nachteile. Sie sind größer, schwerer und teurer in der Anschaffung als ihre kleineren Brüder. Aber immer noch günstiger und kompakter als der Zweit-Akku, und vor allem viel leichter: Mit 788 Gramm wiegt der schnellste 6A-Charger von Bosch nur etwa ein Viertel einer 500-Wh-Batterie.
| Ladegerät | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|
| Bosch 2A | Kompakt, leicht | Längere Ladezeit |
| Bosch 4A | Guter Kompromiss | - |
| Bosch 6A | Schnelle Ladezeit | Größer, schwerer, teurer |
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