Eine Weltreise mit dem Fahrrad ist ein großes Abenteuer, das eine sorgfältige Planung erfordert. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Leitfaden, der alle wichtigen Aspekte von der ersten Idee bis zur Umsetzung abdeckt.
Inspiration und Vorbereitung
Viele Menschen träumen davon, die Welt mit dem Fahrrad zu erkunden. Jasmin und Sebastian haben ihre Jobs gekündigt, ihren Haushalt aufgelöst und sind seit 2020 gemeinsam auf ihren Rädern unterwegs. Auf ihrem Blog teilen sie ihre Reiseberichte, Insider-Tipps und persönlichen Erfahrungen, um andere zu inspirieren, ihre eigenen Träume von einer Weltreise zu verwirklichen.
Die Autoren Thomas Schröder und Helmut Hermann haben mit ihrem "Fahrrad Weltführer" ein Standardwerk für Radreisende geschaffen, das Strecken- und Routeninfos für mehr als 110 Länder in Amerika, Afrika, Asien und Australien bietet.
Bevor man sich auf eine lange Reise begibt, ist es ratsam, kleinere Radtouren zu unternehmen, um Erfahrungen zu sammeln und die eigene Fitness zu testen. Der ADAC empfiehlt, das Ziel beim ersten Fahrradurlaub nicht zu hoch zu stecken und eine Route auf gut erschlossenen Wegen zu wählen.
Die Wahl des Reiseziels
Wohin soll es gehen? Bergig oder flach? Städte oder Natur? Individualreise oder Pauschalangebot eines Radreiseanbieters? Bei der Planung einer globalen Radtour ist es wichtig, sich zu orientieren und zu entscheiden, welche Art von Landschaft und Umgebung man bevorzugt.
Die Vorstellung, irgendwo allein unterwegs zu sein, kann befremdlich wirken. Es gibt viele Gründe, weshalb man selten oder nie allein mit dem Fahrrad raus fährt oder reist: fehlende Motivation, Unsicherheit im Umgang mit dem Fahrrad, Sorgen um die eigene Sicherheit oder der Wunsch nach Gesellschaft.
Meistens hat eine Solo-Tour, die ich plane, ein bestimmtes Ziel, das örtlich, Personen oder Event bezogen sein kann. Es motiviert mich während der Tour sehr, mir solche Vorgaben zu geben. Wie schön das Radfahren sonst auch sein mag, nicht immer klappt alles wie geplant. Doch mit meinem Ziel vor Augen bin ich meist eher gewillt, weiter zu fahren, falls es mal nicht so gut läuft.
Ausrüstung und Fahrrad-Check
Vor dem Start sollte das Fahrrad auf Funktionalität überprüft werden. Die wichtigsten Komponenten für die Verkehrssicherheit des Rades sind die Bremsen, Schaltung, Beleuchtung und selbstverständlich die Kette. Diese wird bei einer längeren Tour stark strapaziert und sollte regelmäßig gereinigt und geölt werden.
Auch ein passender Fahrradhelm gehört zur Grundausstattung. Zudem ist es hilfreich, sich mit seinem Bike vertraut zu machen, um im Fall der Fälle einen Reifen flicken oder einen Fahrradschlauch wechseln zu können. Die wichtigsten Utensilien wie Flickzeug, Fahrradschlauch, Luftpumpe und ein Miniwerkzeug mit den passenden Schraubendrehern gehören deshalb mit ins Gepäck.
Die Frage der Ausrüstung ist eine ganz individuelle und definitiv abhängig von der Reiseregion und Infrastruktur: Für eine Tagestour brauche ich nicht viel mehr als mein Fahrrad, Getränke, Snacks und vielleicht ein Repair-Kit, eine Pumpe und Werkzeug. Für eine Radreise darf es etwas mehr sein: Je nach Ort und Art der Tour kann die Ausrüstung stark variieren.
Folgende Fragen können außerdem bei der Ausrüstungswahl helfen:
- Was habe ich vor? Will ich weit reisen und muss möglichst viel mitnehmen, plane ich Übernachtungs- oder Mehrtagestouren oder möchte ich eher Tagestouren angehen?
- Wie sind die Wetteraussichten? Inwiefern beeinflusst das mein Ausrüstung und meine Kleidung?
- Schlafe ich in Pensionen und spare mir Gepäck oder nehme ich Zelt und Schlafsack mit und campe?
- Will ich mit klassischem Radreise Set-Up und Gepäckträger fahren oder lieber im Bikepacking-Modus alles ans Rad schnallen?
- Wo und wie esse ich? Nehme ich eine Kocher mit oder kehre ich ein bzw. verpflege ich mich vor Ort?
- Was kann ich mir an Equipment leihen, was habe ich und was muss ich kaufen?
Anreise und Übernachtung
Beginnt das Fahrradabenteuer nicht unmittelbar vor der eigenen Haustür, ist die Anreise per Bahn eine nachhaltige Option. Hierfür muss frühzeitig eine entsprechende Fahrkarte inklusive Fahrradmitnahme gebucht werden. Vorsicht: ICEs bieten nur eingeschränkt Mitnahmemöglichkeiten für Räder an.
Individualreisende sollten sich vorab über passende Schlafgelegenheiten informieren. Besonders in der Hochsaison ist eine frühzeitige Buchung empfehlenswert. Entlang beliebter Radwege gibt es zahllose Betriebe, die sich auf Fahrradtouristen eingestellt haben: Das Serviceangebot umfasst meist Unterstellmöglichkeiten, Radwerkzeug und Reparaturservice sowie einen Trockenraum für nasse Kleidung. Betriebe, die Fahrradreisende mit E-Bike beherbergen, sollten u.a. mit Ladestationen ausgestattet sein.
Die Solo-Tour als Frau
Allein zu reisen oder unterwegs zu sein, kann eine ganz besondere Erfahrung sein: Unabhängig, frei und den Gedanken nachhängend, lerne ich dabei nicht nur viel über mich selbst, sondern auch über meine Umwelt kennen. Die Vorzüge einer Solo-Tour mit dem Fahrrad liegen auf der Hand, denn mein Rad dient auf meinen Ausfahrten und Reisen nicht nur als bestes Fortbewegungsmittel, sondern schenkt mir auch die nötige Unabhängigkeit und Bewegung.
Für mich kam der Wandel vom gemeinsamen Urlaub mit Familie, Partner und Freunden zur Solo-Tour schließlich über geschäftliche Reisen. Quasi ins kalte Wasser geschmissen, lernte ich für mich selbst zu planen, mich mit den lokalen Besonderheiten auseinanderzusetzen und die Welt um mich herum aus meiner ganz eigenen Perspektive kennenzulernen. Es waren Erfahrungen, die mich emotional und persönlich wachsen ließen und irgendwann dazu führten, auch meine erste alleinige Radreise zu wagen.
In die folgende Gliederung habe ich Fragen integriert, die mir helfen abzuwägen, wie ich eine Solo-Radtour oder Reise plane und durchführe. Was ich genau mache, darauf gehe ich in den einzelnen Abschnitten ein:
- Zielsetzung: Setze dir ein Ziel!
- Grenzen: Prüfe deine Grenzen!
- Vorbereitung: Bereite dich vor & teste deine Ausrüstung!
- Equipment: Finde heraus, was du wirklich brauchst!
- Basics: Was du immer dabei haben solltest!
- Übernachtung: Entscheide, wie du schlafen willst!
- Fahrradsicherheit: Das Mini-Schloss immer dabei.
- Planung und Informationen: Plane Reisen vorausschauend!
- Fahre los!
Finanzierung und Budget
Zuerst hatten wir die Idee Weltreise. Dann haben wir geschaut, wie es aussieht mit dem lieben Geld. Wir haben einen „worst case“ und einen „best case“ für Finanzen aufgestellt.
Worst case: Das konnten wir kaum glauben, was bei uns so alles an Fixkosten auflaufen würde, müssten wir auch weiterhin alles bezahlen, z.B. Krankenversicherung komplett ohne Arbeitgeberanteil, Miete (weil wir die Wohnung nicht auflösen möchten), Versicherungen usw.
Best case: Da sah es doch gleich besser aus, als wir z.B. die Versicherungen mal ein bisschen unter die Lupe genommen hatten. Für die Wohnung haben wir einen Untermieter gefunden. Lebensversicherungen lassen wir ruhen für ein Jahr.
Als wir 2001 unterwegs waren, war das alles noch nicht so leicht wie es heute ist. Wir haben verschiedene Möglichkeiten genutzt, um an unser Geld zu kommen. Einmal mit Kreditkarten, die wir jedoch nur für Barzahlungen und nicht zum Geld abheben verwendet haben. Geld abheben an einem Automaten ist zu teuer. Dafür haben wir unsere Karte von der Postbank genutzt. Pro Kontokarte kann man viermal im Jahr kostenlos Geld im Ausland an einem Geldautomaten abheben. Mittlerweile gibt es da natürlich ganz andere Möglichkeiten.
Unsere Überlegung war, dass wir maximal 75 DM am Tag zu zweit ausgeben können. Da sollte alles mit abgedeckt sein, Zeltplatzgebühren, Essen, evtl. Eintritte, Ausrüstung nachkaufen oder reparieren. Flüge und Transportkosten waren davon ausgenommen. Carol hat während der Weltreise alle Ausgaben aufgeschrieben.
Das Ergebnis für die einzelnen Länder an durchschnittlichen Kosten pro Tag sah so aus:
| Etappe | Kosten pro Tag |
|---|---|
| Wiesloch - Wien | 72 DM |
| Jakobsweg Spanien | 61 DM |
| Irland | 94 DM |
| Nordamerika | 75 DM |
| Neuseeland | 56 DM |
| Australien | 76 DM |
Gesamt: 25.800,- DM
Transportkosten (Flüge oder Bahn): 13.800,- DM
Kosten der Weltreise insgesamt: knapp 40.000,- DM
Impfungen und Gesundheit
Viele fremde Länder bedeutet viele fremde Erreger. Und so hygienegewohnte Westeuropäer wie wir werden schnell mal von einem klitzekleinen Erreger über Bord geworfen. Deshalb sind wir in punkto Impfungen auf Nummer sicher gegangen, obwohl es nicht gerade billig ist. Du kannst locker mit mindestens sechs Monaten „Impfzeit“ rechnen, weil viele Impfungen dreimal gegeben werden müssen, jedes Mal mit einer oder mehreren Wochen Zeit dazwischen. Im Internet gibt es jede Menge Infos über Impfungen, z.B. beim RKI Robert Koch Institut oder bei Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit e.V.
Unser Impfplan für die Fahrradweltreise 2001 hat so ausgesehen:
| Impfung | Termin 1 | Termin 2 | Termin 3 | Termin 4 | Bemerkung |
|---|---|---|---|---|---|
| Hepatitis A + B (Impfstoff Twinrix) | 30.10.2000 | 06.11.2000 | 20.11.2000 | 08.04.2002 | verkürztes Impfschema, deshalb nach ca. einem Jahr eine 4. Impfung für Langzeitschutz von 10 Jahren |
| Tetanus, Diphterie, Polio | 09.11.2000 | - | - | - | ist Auffrischimpfung nach einer Grundimmunisierung, gilt für 10 Jahre |
| Typhus | 13.03.2001 | - | - | - | Impfung bietet nur 60% Schutz, gültig für 3 Jahre |
| FSME | 09.11.2000 | 15.11.2000 | 30.11.2000 | 15.10.2003 | verkürztes Impfschema: Tag 0, dann Tag 7, dann Tag 21. |
| Tollwut | 30.10.2000 | 06.11.2000 | 20.11.2000 | 10.05.2002 | nach einem Jahr wieder für Langzeitschutz, nach fünf Jahren zum Erhalt der Impfung (vom ersten Datum ab gezählt) |
| Gelbfieber | 20.10.2000 | - | - | - | gültig für 10 Jahre |
| Malaria Malarone | - | - | - | - | als Stand by mitnehmen, bei Fieber 3×4 Tabletten einnehmen (wenn kein Arzt in der Nähe ist) |
| Japanische Encephalitis | 08.10.2003 | 15.10.2003 | 29.10.2003 | - | gültig für 3 Jahre |
Wir mussten also schon einige Zeit vor dem Start am 1. April 2001 anfangen mit den Impfungen. Für die Folgereise nach Vietnam mit dem Fahrrad 2003 haben wir weitere Impfungen bekommen. Wir möchten betonen, dass dies der Impfplan für uns war. Für Sie oder Dich kann oder wird er ganz anders aussehen. Wir haben sieben Monate vor Reisebeginn mit der Recherche über Impfungen begonnen und das hat gerade noch gereicht. Manche Impfungen haben wir miteinander kombiniert, d.h. immer zwei Impfungen auf einmal, in jeden Oberarm eine. So mussten wir nicht so oft zum Arzt. Und übrigens, die Impfungen zahlten wir aus der eigenen Tasche, das hat die Krankenkasse nicht übernommen.
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