Windgeräusche beim Radfahren reduzieren: Schutz für Ihr Gehör

Wer schon einmal mit hoher Geschwindigkeit bergab geradelt ist, kennt das ohrenbetäubende Gefühl des Fahrtwinds. Es geht um den Schutz unserer Ohren vor irreparablen Schäden, denn wer oft mit dem Fahrrad oder E-Bike unterwegs ist, setzt seine Ohren einer gefährlich lauten Geräuschkulisse aus: den Windgeräuschen.

Wie entstehen Windgeräusche?

Wenn Fahrtwind an unseren Ohren vorbeistreift, entstehen Umströmungsgeräusche, verursacht durch den Volumenstrom der Luft und die Turbulenzen hinter dem umströmten Objekt, in diesem Fall dem Tragus, einer Knorpelerhebung vor dem Gehörgang. Der daraus resultierende Schalldruckpegel wächst dabei proportional zur 6. Potenz der Strömungsgeschwindigkeit. Beim Auto schützen uns Fensterscheiben oder Windabweiser vor diesem Lärm, doch auf Fahrrad und E-Bike sind wir den Windgeräuschen schutzlos ausgeliefert.

Es kann sogar noch schlimmer kommen: Das Hörloch in unserer Unterziehhaube, der Helmriemen, unser Brillenbügel oder ein anderer Ohr-naher Gegenstand kann die Geräuschkulisse noch verstärken, denn jedes Objekt erzeugt seinen eigenen Radau und die Geräusche überlagern sich.

Die Gefahr von Lärm

Zu hohe Lärmpegel und/oder zu lange Beschallung können das Ohr schädigen und diese Lärmschäden sind ohne Ausnahme irreparabel. Es gibt also keine Chance auf Heilung oder Regeneration. Doch im Freizeitbereich bist du für deine Ohren selber verantwortlich. Und das betrifft nicht nur den Besuch von Rockkonzert und Disko oder die Verwendung von Kopfhörern, sondern auch den Schutz vor Windgeräuschen beim Radfahren.

Geräusche sind mechanische Schwingungen, die durch die Luft übertragen werden. Gelangen solche Schwingungen (Schall) in unsere Ohren, dann werden sie dort in Nervenreize umgewandelt und in unserem Gehirn als Hörempfindung wahrgenommen. Harmonische Klänge und mäßige Lautstärke empfinden wir dabei als angenehm, hässliche und überlaute Geräusche dagegen als Lärm, der uns in den Wahnsinn treiben oder sogar Hörschäden verursachen können (Schwerhörigkeit, Tinnitus, usw.). Zu diesen hässlichen Geräuschen zählen auch die Windgeräusche, denen wir ausgesetzt sind, wenn wir uns per Fahrrad oder E-Bike fortbewegen.

Schutz vor Windgeräuschen

Unsere Augen können wir verschließen, unsere Ohren dagegen nicht. Zum Schutz vor Lärm und Gehörschäden müssen wir also bewusst nachhelfen: Entweder durch eine mechanische Barriere vor dem Gehörgang (Ohrstöpsel) oder durch Ablenkung der Luftströmung (Windabweiser). Wenn es lediglich um den Schutz vor Windgeräuschen geht, ist der Windabweiser sicher die komfortablere Lösung. Zudem nehmen wir den normalen Verkehr um uns herum dann auch noch ungehindert wahr. Das wäre bei der Verwendung von Ohrstöpseln nicht selbstverständlich.

Windabweiser

Um das herauszufinden, kannst du während der Fahrt mit deiner Hand experimentieren: Positioniere ein oder zwei Finger dicht vor dem Ohr quasi als Windabweiser und achte auf die daraus resultierende Dämpfung der Windgeräusche. Jetzt musst du lediglich versuchen, anstelle deiner Finger etwas anderes als Windabweiser dicht vor deinem Ohr zu positionieren. Zur Fixierung bietet sich da vor allem der vordere Riemen von deinem Fahrradhelm an.

Hier eine Übersicht verschiedener Optionen:

  • Cat-Ears Airstreamz: Windabweiser, die an den vorderen Helmriemen fixiert werden. Sie unterdrücken die Windgeräusche sehr effektiv.
  • Windfree: Sehen aus wie Kopfhörer mit Kopfbügel und bieten guten Gehörschutz.
  • Earbags: Sehen aus wie die Windfree Ohrschützer, sind aber eher Ohrwärmer als Gehörschutz.
  • Buff oder Stirnband: Positionierst du Buff oder Stirnband derart auf dem Kopf, dass dabei die Ohren vollständig bedeckt werden, wirkt der dichte Stoff als Windabweiser.
  • Unterziehhaube: Sie wird im Winter als Kälteschutz unter dem Fahrradhelm getragen und wirkt in gewissem Rahmen ebenfalls als Windabweiser.
  • Eigenbau: Beschaffe dir dick gefütterten Stoff (gerne mit Fell) oder etwas Ähnliches und fixiere davon einen Streifen am vorderen Helmriemen.

Ohrstöpsel

Hier ist tatsächlich eine mehr oder weniger effektive Abdichtung unserer Gehörgänge nötig. Im Idealfall blockiert der Gehörschutz dann lediglich die störenden bzw. schädlichen Geräusche, nicht aber unsere vollständige Hörwahrnehmung. So können wir beispielsweise noch Unterhaltungen führen, wenn auch mit stark gedämpftem Schalldruckpegel. Grob lassen sich die infrage kommenden Produkte dabei in zwei Gruppen unterteilen: Ohrstöpsel und Lamellenstöpsel.

Sie werden in gequetschtem Zustand ins Ohr einführt und passen sich dem Gehörgang dann durch Ausdehnung perfekt an. Sie sind mehrmals verwendbar, wenngleich auch etwas unhygienisch, weil nicht selten Ohrschmalz und Schmutz anhaftet.

Diese Stopfen sind in der Regel bis zu 100 x wiederverwendbar, erfordern aber ab und zu eine Reinigung. Wer auch einen Gehörschutz für Musik-Veranstaltungen sucht, findet unter diesen Lamellenstöpseln sehr fein differenzierte Lösungen für jeden Geschmack (Bass, Höhen, Sprache, usw.).

Beispiele:

  • Alpine PartyPlug: sind vor allem für Musik-Veranstaltungen ausgelegt, eignen sich aber als Gehörschutz auf der Straße ebenso.
  • Alpine MotoSafe Race: sind als Gehörschutz für Motorradfahrer gedacht.

Weitere Lärmquellen beim Radfahren

Neben den Windgeräuschen können natürlich auch andere Schallquellen einen Gehörschutz beim Radfahren notwendig machen:

  • Hohes Verkehrsaufkommen
  • Laute Hupen
  • Laute Reifen- und Fahrbahn-Geräusche
  • Fahrzeuge mit hoher Geschwindigkeit
  • Viele LKWs mit lauten Motoren
  • Viele Autos mit defektem Schalldämpfer
  • Nässe auf der Fahrbahn

Hier ist tatsächlich eine mehr oder weniger effektive Abdichtung unserer Gehörgänge nötig.

Erfahrungen anderer Radfahrer

Einige Radfahrer haben positive Erfahrungen mit Noise-Cancelling-Kopfhörern gemacht, während andere feststellen, dass Transparenzmodi die Windgeräusche sogar verstärken können.

Manche bevorzugen Knochenschallkopfhörer, die die Ohren frei lassen und dennoch eine gute Klangqualität bieten.

Ein Nutzer hat sich Ohrsocken genäht, um die Windgeräusche zu reduzieren.

Tabelle: Vergleich verschiedener Gehörschutzmethoden

Methode Vorteile Nachteile
Windabweiser (z.B. Cat-Ears) Effektive Reduzierung der Windgeräusche, Wahrnehmung des Verkehrs bleibt erhalten Nicht immer preiswert, Optik gewöhnungsbedürftig
Ohrstöpsel Effektiver Schutz vor Lärm, auch bei anderen Schallquellen Verkehrswahrnehmung kann eingeschränkt sein, Hygiene
Buff/Stirnband Günstig, flexibel einsetzbar Im Sommer unangenehm warm
Noise-Cancelling Kopfhörer Reduziert Windgeräusche und andere Störgeräusche Verkehrswahrnehmung kann eingeschränkt sein, Akkulaufzeit beachten

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