Motorradfahrer und Blitzer: Eine Herausforderung für die Verkehrssicherheit

Geschwindigkeitsbeschränkungen gelten für Motorräder genauso wie für Autos. Wer zu schnell unterwegs ist, muss mit einem Bußgeld rechnen. Die ersten warmen Tage haben viele Motorräder aus dem Winterschlaf geweckt. Scheint die Sonne und die Straßen sind trocken, mag so mancher auf zwei Rädern zu viel Gas geben.

Rasende Motorradfahrer haben in Deutschland gegenüber Autofahrern einen Vorteil: Blitzer-Anlagen blitzen Fahrzeuge in der Regel nur von vorne - bei Motorrädern ist das KfZ-Kennzeichen jedoch meist hinten angebracht und die Fahrer tragen einen Helm. Da viele Geschwindigkeitsmessungen Fahrzeuge von vorne ablichten, können Motorradfahrer Glück haben. Schließlich befindet sich das Kennzeichen am Heck. Auch bei Fotos von hinten kann es mit der Identifizierung des Fahrers schwierig werden.

Warum werden Motorradfahrer seltener geblitzt?

Viele Blitzer erfassen hauptsächlich das vordere Kennzeichen, das Motorräder nicht haben. Dadurch entgehen viele Biker Geschwindigkeitskontrollen. Zudem ist die Identifikation der Fahrer auf den Fotos schwieriger, da oft Accessoires und Zubehör wie Helme oder Sonnenbrillen die Erkennung erschweren.

Statistische Daten aus Schleswig-Holstein

Zahlen der Polizei belegen: Biker werden kaum geblitzt. Motorradfahrer in Schleswig-Holstein bleiben häufig unbehelligt von Blitzern. Das belegen aktuelle Zahlen der Polizei. Der Grund: Viele Radarfallen erfassen nur das Frontkennzeichen, das Motorräder bekanntlich nicht haben. Dadurch entgehen zahlreiche Biker der Tempokontrolle. Ein Freifahrtschein fürs Rasen auf zwei Rädern ist das jedoch nicht.

Anfang 2025 waren in Schleswig-Holstein laut Kraftfahrtbundesamt rund 1,75 Millionen Autos und etwa 166.500 Krafträder - darunter Motorräder und Mopeds - zugelassen. Dennoch hat das Landespolizeiamt bisher nur 152 rechtlich verfolgte Geschwindigkeitsverstöße bei Krafträdern registriert. Demgegenüber wurden bislang rund 249.000 Autos geblitzt. Das entspricht einer Quote von 0,06 Prozent bei Krafträdern. Im Vorjahr lag diese bei 0,09 Prozent. Da viele Motorräder mit Saisonkennzeichen meist nur im Sommer unterwegs sind, ist die Zahl der Verstöße bei Krafträdern im Verhältnis zu den Fahrzeugzahlen und Nutzungszeiten vergleichsweise niedrig. Auf jeden geblitzten Motorradfahrer kommen mehr als 1.500 geblitzte Autofahrer.

Fahrzeugtyp Anzahl zugelassener Fahrzeuge (Anfang 2025) Rechtlich verfolgte Geschwindigkeitsverstöße Quote
Autos 1.750.000 249.000 14,23 %
Krafträder (Motorräder und Mopeds) 166.500 152 0,09 %

Methoden zur Identifizierung von Motorradfahrern

Allzu sicher dürfen sich Motorradfahrer nicht sein: Es gibt auch Blitzer, die von hinten auslösen und dann dementsprechend das Kennzeichen aufnehmen. Allerdings sind diese Blitzer immer noch selten, weil das Gesicht des Fahrers dann wiederum nicht zu erkennen ist - und das ist in Deutschland ein Problem, weil nur der tatsächliche Fahrer des Motorrads haftet und nicht der Fahrzeughalter. Es gibt übrigens auch Blitzer, die von vorne und von hinten auslösen.

Motorrad geblitzt, aber Fahrer nicht erkennbar? Motorradfahrer sollten sich allerdings auch nicht zu früh freuen, wenn sie geblitzt wurden. Die Polizei kann das Blitzerfoto mit anderen Motorrädern abgleichen, die im gleichen Bezirk gemeldet sind und kann zudem den jeweiligen Fahrzeughaltern Besuche abstatten.

Die Polizei kann das betreffende Motorrad und seinen Fahrer beobachten und mit einem mobilen Blitzer auf einer regelmäßig gefahrenen Strecke blitzen und dadurch überführen. Wichtig: Die Polizei schaut sich in zweifelhaften Fällen sehr genau Auffälligkeiten am Aussehen des verdächtigen Motorradfahrers an.

Der sicherste Weg, rasende Motorradfahrer zu schnappen, ist die Messung mit anschließendem Polizeiposten. Bei Lasermessungen misst ein Polizeibeamter mit einer Laserpistole und meldet den Flitzer an seine Kollegen. Diese warten ein Stück weiter die Straße runter und fischen den betroffenen Motorradfahrer aus dem Verkehr. Gerade an beliebten Motorradstrecken sollten Biker mit dieser Möglichkeit rechnen.

Aufwändige Ermittlungen und ihre Grenzen

Motorrad geblitzt und Fahrer nicht erkennbar? All diese Bemühungen haben jedoch eins gemeinsam: Sie sind sehr aufwändig.

Auch dürfen Sie nicht vergessen, dass es in der Regel weniger Motorräder des gleichen Typs in einem Zulassungsbezirk gibt, als Autos. Die Bußgeldbehörden können das Messfoto mit der Zulassungsstelle abgleichen. Erschwerend kommt allerdings hinzu, dass durch den Helm eine eindeutige Identifizierung des Fahrers häufig nicht möglich ist. Dies ist entscheidend, da nach deutschem Recht nicht der Halter des Fahrzeugs haftet. Belangt werden kann bei Geschwindigkeitsverstößen nur der Fahrer.

Auch wenn das Gesicht durch den Helm meist nicht gut erkennbar ist, so ist eine Identifizierung teilweise aber doch möglich. Außerdem kann auf dem Motorrad die Statur des Fahrers recht genau erkannt werden. Dies ist im Auto eher selten der Fall.

Rechtliche Aspekte und Konsequenzen

Für Verkehrssünden haftet in Deutschland stets der Fahrer. Der Halter kann nicht für einen Rotlichtverstoß oder eine Geschwindigkeitsübertretung eines anderen herangezogen werden. In einigen unserer europäischen Nachbarländer ist das anders. Dort kann auch der Halter für das Fehlverhalten eines anderen geradestehen müssen.

Allerdings hat der Halter in Deutschland eine gewisse Mitwirkungspflicht. Kann er nicht als Fahrer identifiziert werden, soll er Auskunft über die Person geben, die zur Tatzeit das Fahrzeug genutzt hat. Tut er dies nicht, kann ihm bei schwereren Verstößen eine Fahrtenbuchauflage drohen.

Wenn ein Motorrad von vorne geblitzt wurde und der tatsächliche Fahrer nicht feststeht, kann der Fahrzeughalter eine sogenannte Fahrtenbuchauflage erhalten. Er muss dann jede Fahrt mit dem geblitzten Motorraddokumentieren und auch den Namen des Fahrers angeben. Das hilft zwar nicht beim aktuellen Verstoß, kann den oder die Fahrer aber zukünftig kontrollieren.

Einzelfälle und abschreckende Beispiele

Dass der Personalaufwand bei der Verfolgung von Tempoverstößen durch Biker höher ist, diese aber durchaus geahndet werden können, zeigt ein aufsehenerregender Fall von letztem Jahr.

Ein 22-jähriger Motorradfahrer war mehrfach mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit an stationären Blitzeranlagen in Rüsselsheim vorbeigerast und posierte dabei absichtlich vor den Kameras - offenbar in der Annahme, aufgrund des fehlenden vorderen Kennzeichens nicht identifiziert werden zu können.

Trotzdem gelang der Polizei durch sorgfältige Auswertung der Fotos und anschließende Fahndung die Identifikation des Fahrers. Seine Strafe: 17.000 Euro Bußgeld, 22 Punkte in Flensburg und ein Fahrverbot von 31 Monaten.

Sanktionen bei Geschwindigkeitsübertretungen

Hat ein Blitzer Ihr Motorrad bei einem Tempoverstoß erfasst, können eine Geldbuße, Punkte in Flensburg oder auch ein Fahrverbot von bis zu drei Monaten gegen Sie ausgesprochen werden.

Prävention und Verkehrssicherheit

Letztlich sollte jeder Motorradfan sich natürlich auch im Eigeninteresse an die vorgegebenen Geschwindigkeitsbeschränkungen halten.

Die sicherste, einfachste und beste Möglichkeit ist natürlich immer, seine Geschwindigkeit im Auge zu behalten und sie entsprechend der Begrenzungen zu reduzieren.

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